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Ukraine aktuell: Weitere Journalistin getötet

Das Wichtigste in Kürze:

– Die russische Journalistin Oksana Baulina stirbt durch Raketenbeschuss in Kiew

– WHO: 64 dokumentierte Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine

– Russland erklärt US-Diplomaten zu unerwünschten Personen

– Ukrainische Armee drängt russische Truppen beim Kampf um Kiew zurück

– US-Präsident für drei Gipfeltreffen in Brüssel eingetroffen

 

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist die russische Journalistin Oksana Baulina ums Leben gekommen. Sie sei unter Raketenbeschuss geraten, als sie eine redaktionelle Aufgabe wahrnahm, teilte ihr Arbeitgeber, die Investigativplattform The Insider (theins.ru) mit. Sie habe Zerstörungen im Bezirk Podil in Kiew gefilmt, als dieser unter erneuten Raketenbeschuss gekommen sei.

Bei dem Zwischenfall kamen den Angaben zufolge ein weiterer Zivilist ums Leben, zwei Begleitpersonen wurden verletzt. In der Mitteilung hieß es weiter, Baulina sei vor ihrer Stelle bei The Insider für den Anti-Korruptionsfonds des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny tätig gewesen und in der Folge gezwungen gewesen, Russland zu verlassen. Sie sei daraufhin als Korrespondentin in die Ukraine gegangen und habe mehrere Berichte aus Lwiw (Lemberg) und Kiew erstellt.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind nach Angaben der ukrainischen Journalistenvereinigung mindestens fünf Journalistinnen und Journalisten getötet worden.

WHO beklagt Schäden für das ukrainische Gesundheitssystem

Die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) hat die verheerenden Folgen des seit einem Monat andauernden Krieges auf das ukrainische Gesundheitssystem angeprangert. Millionen Menschen seien von dringend benötigten Behandlungen und medizinischer Versorgung abgeschnitten, warnte die WHO in Kopenhagen, dem Sitz ihres Regionalbüros für Europa.

Ukraine Mariopol | Zerstörung nach Russischen Angriff auf Krankenhaus

Blick in einen zerbombten Krankenhaustrakt in Mariupol

Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar sind demnach bis zum vergangenen Dienstag 64 militärische Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen registriert worden. Dabei seien 15 Menschen getötet und 37 weitere verletzt worden. Die Angriffe seien ein Bruch des humanitären Völkerrechts, vernichteten lebenswichtige Infrastruktur und zerstörten die Hoffnung vieler kranker Menschen, sagte Jarno Habicht, WHO-Repräsentant in der Ukraine.

Fast 1000 Krankenhäuser, Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen liegen den Angaben nach in Frontnähe oder in Gebieten, die von der angreifenden russischen Armee kontrolliert werden. Die Einrichtungen hätten die Behandlung chronischer Krankheiten praktisch eingestellt, erklärte die WHO. Ärzte und Personal in Kliniken in anderen Landesteilen müssten sich nun ausschließlich um Kriegsverletzte kümmern.

Weiter sei rund die Hälfte der Apotheken des Landes geschlossen und könne somit keine Medikamente mehr anbieten, hieß es. Zudem sei die Impfkampagne gegen COVID-19 praktisch zum Erliegen gekommen. Vor dem Krieg seien rund 50.000 Menschen pro Tag geimpft worden. Die Ukraine habe ohnehin eine der niedrigsten Impfraten in Europa.

Russland weist US-Diplomaten aus

Russland hat mehrere US-Diplomaten in Moskau zu unerwünschten Personen erklärt. Einem Vertreter der US-Botschaft in Moskau sei am Mittwoch eine Liste mit Namen von Diplomaten übergeben worden, die das Land verlassen müssten – als Reaktion auf die Ausweisung von zwölf russischen Vertretern bei den Vereinten Nationen in New York Ende Februar. Zur Zahl der ausgewiesenen Diplomaten machte das Außenministerium in Moskau keine Angaben.

Russland I U.S. Botschaft in Moskau

US-Botschaft in Moskau (Archiv)

Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington bestätigte den Erhalt der Liste. „Das ist der jüngste nicht hilfreiche und unproduktive Schritt Russlands in unserem bilateralen Verhältnis“, sagte der Sprecher. Moskau solle die „ungerechtfertigten Ausweisungen“ beenden, forderte er. „Mehr als je zuvor ist es jetzt entscheidend, dass unsere Länder das nötige diplomatische Personal vor Ort haben, um die Kommunikation zwischen unseren Ländern zu ermöglichen.“

Russland scheitert mit „zynischer“ Ukraine-Resolution im Sicherheitsrat

Im Weltsicherheitsrat, dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen, ist Russland erwartungsgemäß mit einer eigenen humanitären Resolution zum Ukraine-Konflikt gescheitert. Moskau bekam für seine Beschlussvorlage, in der es um einen „Aufruf für Hilfe für die Zivilbevölkerung der Ukraine“ ging, am Mittwoch nicht die benötigten neun Ja-Stimmen des 15-köpfigen UN-Gremiums. Nur China stimmte für den Text, die übrigen 13 Länder enthielten sich.

Ukraine-Konflikt - UN-Sicherheitsrat

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates (Archiv)

Da Russland der Aggressor in dem Konflikt ist, hatten vor allem westliche Staaten das Einbringen einer humanitären Resolution durch das Land als „zynisch“ oder als „Beleidigung“ bezeichnet, zumal in dem Entwurf mit keinem Wort Russlands Rolle als Aggressor erwähnt wurde.

Ukrainische Erfolge im Kampf gegen russische Truppen

Der ukrainischen Armee ist es nach Angaben des US-Außenministeriums gelungen, die russischen Truppen im Osten von Kiew deutlich zurückzudrängen. Die russischen Streitkräfte hätten sich dort binnen 24 Stunden mehr als 30 Kilometer weit zurückgezogen, sagte ein ranghoher Vertreter des Pentagons, der anonym bleiben wollte, am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten. Sie seien dabei, sich rund 55 Kilometer östlich und nordöstlich von Kiew zu verschanzen und Verteidigungspositionen aufzubauen, fügte er hinzu.

Auch in der Umgebung der umkämpften Großstädte Tschernihiw nördlich von Kiew und Charkiw im Osten der Ukraine sähen sich die russischen Angreifer heftigem Widerstand ausgesetzt und könnten keine Raumgewinne verzeichnen, so der Pentagon-Vertreter. Seinen Angaben zufolge konzentriert die russische Armee sich inzwischen verstärkt auf die prorussischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk.

Tausende evakuiert

In der Ukraine sind im Laufe des Mittwochs mehr als 4500 Menschen aus belagerten und umkämpften Städten evakuiert worden. Das teilte der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, auf dem Messengerdienst Telegram mit.

Ukraine, Zaporizzja | Ankunft von Evakuierungsbussen aus Mariupol

Bewohner der belagerten Stadt Mariupol in einem Evakuierungsbus bei ihrer Ankunft in Zaporizzja (22.03.2022)

Der Großteil von ihnen, fast 3000 Menschen, habe aus der Hafenstadt Mariupol kommend mit privaten Transportmitteln die Großstadt Saporischschja erreicht. Weitere Evakuierungen habe es zudem aus dem Ort Huljajpole, dem Gebiet Luhansk und drei Dörfern im Gebiet Kiew gegeben.

Laut der ukrainischen Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk hat die Evakuierung über sieben von neun geplanten Korridoren funktioniert. Bei zwei Fluchtwegen seien Autobusse von russischen Einheiten an Kontrollpunkten aufgehalten worden, sagte sie in einer Videobotschaft am Mittwochabend. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

Noch mehr britische Raketen für die Ukraine

Großbritannien will der Ukraine als Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg weitere Waffen liefern. Man werde 6000 zusätzliche Raketen schicken, darunter Panzerabwehrwaffen und andere Geschosse, kündigte der britische Premierminister Boris Johnson vor dem Beginn des NATO-Gipfels am Donnerstag an. Zudem werde man weitere 25 Millionen Pfund (rund 30 Millionen Euro) bereitstellen, um das ukrainische Militär zu stärken. Mit dem Geld sollen zum Beispiel ukrainische Soldaten und Piloten bezahlt werden.

Die britische Regierung investiert außerdem 4,1 zusätzliche Millionen Pfund (rund 4,9 Millionen Euro) in den Auslandssender BBC World Service – nach eigenen Angaben, um Desinformation in Russland und in der Ukraine zu bekämpfen. Dies steht geplanten Umstrukturierungen des gebührenfinanzierten Systems gegenüber, die die britische Regierung für die nächsten Jahre angekündigt hat.

US-Präsident Biden zu Gast bei drei Gipfeltreffen

In der belgischen Hauptstadt Brüssel finden an diesem Donnerstag drei Gipfeltreffen zum Ukraine-Krieg statt – und auf allen dreien wird US-Präsident Joe Biden als Teilnehmer erwartet. Die jeweiligen Staats- und Regierungschefs wollen gegenüber Russland zeigen, dass sie geschlossen zusammenstehen und entschlossen gemeinsame Entscheidungen treffen, und dass sie der Ukraine im Kampf gegen die russischen Angriffe beistehen.

Den Auftakt bildet der NATO-Gipfel, zu dem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj aus Kiew zugeschaltet werden soll. Die NATO-Staaten wollen unter anderem darüber beraten, die Ostflanke des Bündnisses militärisch deutlich zu stärken.

Auf einem zweitägigen EU-Gipfel soll zum einen über den weiteren Umgang mit Russland gesprochen werden, zum anderen wollen die 27 EU-Staats- und Regierungschefs beraten, wie sie rasch unabhängiger von russischen Energielieferungen werden können und wie auf die hohen Energiepreise reagiert werden soll.

Google News in Russland mit „Schwierigkeiten“

Die russische Medienaufsichtsbehörde hat den Zugang zu Google News eingeschränkt. Die Entscheidung sei auf einen Antrag der russischen Generalstaatsanwaltschaft hin erfolgt, teilte die Behörde Roskomnadsor am Mittwoch laut russischen Nachrichtenagenturen mit. Google News habe „Zugang zu zahlreichen Publikationen und Materialien geboten, die falsche Informationen“ über den Verlauf von Russlands „besonderem Militäreinsatz auf ukrainischem Gebiet enthielten“, hieß es in der Mitteilung.

Russland schaltet Google News ab

Russland hat offenbar den Zugriff auf Google News gesperrt

Der US-amerikanische Internetriese bestätigte, dass in Russland „einige Nutzer“ Schwierigkeiten hätten, die Google News App aufzurufen und dass dies „nicht durch technische Probleme auf unserer Seite“ verursacht würde.

Seit dem Beginn des Militäreinsatzes in der Ukraine vor einem Monat haben die russischen Behörden den Zugang zu Online-Medien massiv eingeschränkt. Gesperrt wurden unter anderem die Website der BBC und der Deutschen Welle. In dieser Woche verhängte ein Gericht in Moskau ein Verbot gegen die Onlinedienste Facebook und Instagram. Auch der Zugang zu Twitter ist in Russland eingeschränkt.

NASA hält an Zusammenarbeit mit Russland fest

Trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine hat der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, Bill Nelson, die weitere Zusammenarbeit mit Moskau in Hinblick auf die Internationale Raumstation ISS bekräftigt. „Die professionelle Zusammenarbeit zwischen den Astronauten und den Kosmonauten an Bord der ISS sowie zwischen den Kontrollzentren in Houston und in Moskau geht unverändert weiter“, sagte Nelson bei einer Pressekonferenz. Das habe auch die erfolgreiche Ankunft von drei Kosmonauten an der ISS in der vergangenen Woche gezeigt.

ISS Ankunft Russische Kosmonauten

Auf der Internationalen Raumstation arbeiten russische und westliche Raumfahrer zusammen

Die für Ende des Monats anvisierte Rückkehr von US-Astronaut Mark Vande Hei werde ebenfalls „ohne Probleme“ und wie geplant stattfinden. Vande Hei soll gemeinsam mit den Kosmonauten Anton Schkaplerow und Pjotr Dubrow in einer russischen Sojus-Raumkapsel zur Erde zurückkehren. Auf der ISS hält sich derzeit auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer auf.

mak/cw (alle)