Das Wichtigste in Kürze:
- IAEA-Experten reisen zu Inspektionen in die Ukraine
- Ukrainischer Generalstab: Russland könnte bei Rückzug „verbrannte Erde“ hinterlassen
- Selenskyj: Russland hat mehr als 8000 Luftangriffe geflogen
- Neue US-Militärstrategie sieht in China größte Gefahr, in Russland „akute“ Bedrohung
- Cyberangriffe auf Parlamente in Polen und der Slowakei
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will nach den Vorwürfen Russlands, Kiew plane im Krieg den Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ – einem mit radioaktivem Material versetzten Sprengsatz – noch in dieser Woche einer Beobachtermission in die Ukraine entsenden. Das sagte IAEA-Chef Rafael Grossi laut einer Mitteilung. Experten der Organisation würden an zwei Standorten in der Ukraine Nachprüfungen durchführen, nachdem die ukrainische Regierung schriftlich um die Entsendung von Inspektorenteams gebeten habe.
Die Atomenergiebehörde in Wien kontrolliert regelmäßig zivile Nuklearanlagen in der Ukraine und auf der ganzen Welt, um sicherzustellen, dass kein spaltbares Material für militärische Zwecke missbraucht wird. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Kiew vorgeworfen, die Spuren des Baus einer „schmutzigen Bombe“ verwischen zu wollen. Er wisse auch in etwa, wo der Bau stattfinde, so Putin.
Experten der IAEA – hier bei der Inspektion am AKW Saporischschja am 02..09.2022 – sollen in der Ukraine nach Spuren einer „schmutzigen Bombe“ suchen
Die ukrainische Regierung und mehrere westliche Staaten wiesen die russischen Anschuldigungen zurück. Moskaus Vorwurf eines geplanten Einsatzes einer radioaktiven Bombe durch die Ukraine wird als möglicher Vorwand für eine weitere Eskalation des Kriegs gedeutet. Kiew warnt, Russland könnte selbst den Einsatz einer derartigen Waffe planen.
Ukrainischer Generalstab warnt vor „verbrannter Erde“
Während ihres Rückzugs werden die russischen Truppen wahrscheinlich Wohnhäuser in die Luft jagen und eine von Menschen verursachte Katastrophe im Kernkraftwerk Saporischschja verursachen, sagte der stellvertretende Generalstabschef Oleksii Hromov. Dies wird die vorübergehend besetzten Gebiete in „verbrannte Erde“ verwandeln und der Infrastruktur schweren Schaden zufügen“, so Hromow. Ihm zufolge würde der mögliche Terroranschlag auf das Kraftwerk Saporischschja darauf abzielen, „das Kraftwerk endgültig außer Betrieb zu setzen und eine lokale, von Menschen verursachte Katastrophe zu verursachen“.
Vize-Generalstabschef Oleksii Hromov beim täglichen Briefing über die Sicherheitslage in der Ukraine
8000 Luftangriffe und 4500 Raketen aus Russland
Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg und den Kampf der Ukrainer gegen die deutsche Nationalsozialisten sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass sich das „Böse nach 80 Jahren wieder aus der Asche“ erhoben habe. Der Aggressor Russland habe seit Beginn des Krieges am 24. Februar 4500 Raketen auf die Ukraine abgeschossen und insgesamt 8000 Luftangriffe geflogen. Allein innerhalb der vergangenen zwei Tage habe es 30 russische Angriffe mit iranischen Drohnen gegeben, von den 23 abgeschossen worden seien. Russland vermine oder besetze Kraftwerke, stehle Getreide, um den Planeten mit Hunger zu bedrohen. Es verschleppe Menschen, darunter Kinder. „Russlands einzige Taktik ist der Terror“, sagte Selenskyj. Das könne nur zu einer Niederlage führen.
Befreit, aber in Trümmern, Ortschaft in der Region Cherson
Angesichts der Stromabschaltungen im Zuge der zerstörten Energieinfrastruktur meinte er, dunkel sei nicht ein Leben ohne Licht, sondern ohne Freiheit. Auch den harten Winter würden die Ukrainer überstehen.
US-Militärstrategie: China größte Gefahr, Russland „akute“ Bedrohung
Das Pentagon sieht in Russland zwar weiterhin eine gegnerische Supermacht, aber auf lange Sicht keine so große Bedrohung wie durch China. Die Volksrepublik sei das einzige Land, dass „sowohl die internationale Ordnung umbauen will als auch zunehmend die Kraft dafür hat“, sagte Verteidigungsminister Lloyd Austin bei der Vorstellung der neuen US-Militärstrategie. Russland wird dagegen als „akute“ Bedrohung eingestuft. Das Wort sei sorgfältig gewählt worden, betonte Austin. Anders als China könne Russland die USA nicht auf lange Sicht systematisch herausfordern, begründete Austin die Einschätzung. „Aber die russische Aggression ist eine direkte und scharfe Bedrohung unserer Interessen und Werte.“
Cyberangriffe auf Parlamente in Polen und der Slowakei
Die Parlamente in Polen und der Slowakei sind Ziel von Cyberangriffen geworden. Der Angriff sei aus mehreren Richtungen erfolgt, „auch aus der Russischen Föderation“, erklärte ein Sprecher des polnischen Senats. Ihm zufolge stand er möglicherweise im Zusammenhang mit einer Abstimmung im Senat am Mittwoch, bei der die russische Regierung zu einem „terroristischen Regime“ erklärt worden war.
In der Slowakei war nach Behördenangaben das Abstimmungssystem des Parlaments betroffen. „Das gesamte Computernetzwerk des Parlaments wurde lahmgelegt“, sagte der stellvertretende Sprecher des slowakischen Parlaments, Gabor Grendel, der Nachrichtenagentur AFP. Nach Parlamentsangaben fielen alle Computer und Telefonleitungen aus, sodass die Abgeordneten über mehrere Gesetzesvorlagen nicht abstimmen konnten. „Wir haben die Ursache des Problems noch nicht gefunden“, sagte der slowakische Parlamentspräsident Boris Kollar.“
qu/cw (dpa, rtr, afp)
Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.