
Für einen großen Teil der letzten Monate hat die Regierung von US-Präsident Joe Biden versucht, öffentliche Begeisterung für die „Bidenomics“ zu schüren – eine Wirtschaftspolitik, die auf der Logik des Aufbaus der Wirtschaft von „unten nach oben und von innen nach außen“ basiert, einem Bruch mit Jahrzehnten gescheiterter Trickle-down-Ökonomie. Auch wenn die Politikgestaltung selten genug beeindruckend ist, um als Kampfruf geeignet zu sein, könnte „von unten“ auch das Motto für den Verwaltungsapparat sein, der die Umsetzung der Programme untermauert, die Bidenomics ausmachen. Betrachte man beispielsweise die jüngste Ankündigung des Energieministeriums über sieben Wasserstoff-Hubs im ganzen Land, die aus 79 Vorschlägen ausgewählt wurden. Jeder dieser Hubs wird von einem Netzwerk regionaler Interessengruppen angetrieben, das einen spezifischen Ansatz verfolgt, um sauberen Wasserstoff zu produzieren und zu nutzen.
Die Mehrheit der Kommentare zur Industriepolitik folgt nach wie vor einem althergebrachten Rahmen von Steuervergünstigungen und finanziellen Anreizen, aber dieses Programm und andere wie der CHIPS and Science Act, der Inflation Reduction Act und der Build Back Better Regional Challenge stellen eine Evolution dar, wie Industriepolitik konzipiert wird. Sie kündigen einen Bruch mit einem top-down-Ansatz an, der von einem allein allwissenden Staat und einer übermäßigen Abhängigkeit von Zuwendungen ausgeht, zugunsten eines bottom-up-Ansatzes.
Um zu verstehen, wie sich die globalen wirtschaftlichen Ambitionen der Bidenomics entwickeln werden, ist es wichtig, sich auf ihre lokale Dynamik zu konzentrieren. Anfang dieses Jahres war ich in Columbus, Ohio, wo Intels 20-Milliarden-Dollar-Investition, die durch den CHIPS Act unterstützt wurde, bei den lokalen Akteuren und Wirtschaftsführern für spürbare Begeisterung gesorgt hatte. Diese lokalen Führer sahen sich nicht nur als „Empfänger“ von Bundesgeldern. Stattdessen hatte die bürgerschaftliche Infrastruktur der Region eine aktive Rolle bei der Sicherung der Investition und der Schaffung von Verbindungen zu lokalen Interessengruppen, einschließlich des Columbus County Community College und der Ohio State University, gespielt. Diese lokalen Organisationen werden in den kommenden Jahren weiterhin von entscheidender Bedeutung sein, da sie Intel „bei der Ausbildung, dem Anwerben von Talenten, dem Aufbau der Infrastruktur und der Integration des Unternehmens in die Unternehmens- und Lokalgemeinschaft unterstützen“ sollen.
Dieser bottom-up-Ansatz entspricht der jüngsten Studie meines Kollegen Dani Rodrik, in der er zusammen mit Nathan Lane und Reka Juhasz die Strukturen untersucht, die industriepolitische Erfolge begünstigen. Aus governance-Perspektive heben sie zwei Attribute hervor, die notwendig sind: Erstens eine „embedded autonomy“ oder Regulation auf Basis dynamischer öffentlich-privater Dialoge und Informationsaustauschs. Zweitens soll unterstrichen werden, dass Industriepolitik nicht nur Steuervergünstigungen und Subventionen umfasst, sondern auch die Koordinierung einer Reihe öffentlicher Inputs.
Über den Inflation Reduction Act, den CHIPS and Science Act und den Build Back Better Regional Challenge erstrecken sich die neuen ortsbezogenen Industriepolitiken über das gesamte Spektrum öffentlicher Inputs. Eine erste Analyse des BBBRC durch Brookings Metro kommt etwa zu dem Schluss, dass die Finanzierung auf Talententwicklung, Forschung und Kommerzialisierung, Infrastruktur und Stadtentwicklung, Unternehmertum und Kapitalzugang sowie Steuerung ausgerichtet ist. In Bezug auf die Umsetzung stützen sich diese Programme sowohl auf als auch verstärken eine tragfähige Basis lokaler Konsortien.