Die Schweizer Bank Credit Suisse soll nach Medienberichten über Jahre Autokraten, Drogendealer sowie mutmaßliche Kriegsverbrecher und Menschenhändler als Kunden akzeptiert haben. Das belegen nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) Daten aus dem Geldinstitut, die dem Blatt nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden. Die „SZ“ hat die Credit-Suisse-Daten zusammen mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) sowie 46 Medienpartnern aus aller Welt ausgewertet, darunter auch die ARD-Anstalten NDR und WDR.
Credit Suisse: „Ungenaue und selektive Darstellung“
Die Bank wies die Vorwürfe vehement zurück. Es gehe meist um weit zurückliegende Fälle bis in die 1940er Jahre. „Die Darstellung (…) basiert auf unvollständigen, ungenauen oder selektiven Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, was zu tendenziösen Interpretationen des Geschäftsgebarens der Bank führt“, teilte die Bank mit. 90 Prozent der angeführten Konten seien bereits geschlossen worden. „Wir werden die Angelegenheit weiter analysieren und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten“, so die Bank weiter.
Bankschließfach (Symboldbild)
Schweizer Journalisten unter Druck?
In der Schweiz gilt eines der strengsten Bankgeheimnisse der Welt. Die Weitergabe von Kontoinformationen steht unter Strafe und auch Journalisten droht Strafverfolgung. Deshalb habe sich kein Medium aus der Schweiz an den Recherchen beteiligt, schrieb die „SZ“. Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, habe deshalb eine Untersuchung eingeleitet.
Daten über früheren Siemens-Manager
Die Unterlagen umfassen demnach Informationen zu Konten von mehr als 30.000 Kunden der zweitgrößten Bank der Schweiz, darunter etwa ein auf den Philippinen verurteilter Menschenhändler, ein ägyptischer Mörder, korruptionsverdächtige Kardinäle sowie ein 2008 wegen Bestechung verurteilter früherer Siemens-Manager, dessen zwischenzeitliches Millionen-Vermögen mit seinem Gehalt nicht zu erklären sei. Den Daten zufolge hätten Kriminelle Konten eröffnen beziehungsweise Konten auch dann behalten können, „wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat“.
Die anonyme Quelle der Daten habe als Motivation Kritik am Schweizer Bankgeheimnis genannt: „Der Vorwand, die finanzielle Privatsphäre zu schützen, ist lediglich ein Feigenblatt, um die schändliche Rolle der Schweizer Banken als Kollaborateure von Steuerhinterziehern zu verschleiern“, erklärte sie demnach.
fab/rb (dpa, afp)