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Ukraine aktuell: Zugverbindung Kiew – Cherson wiederhergestellt

 

Das Wichtigste in Kürze:

 

  • Erster Zug aus Kiew erreicht das befreite Cherson
  • Generalstaatsanwalt: 90 Prozent der Toten in befreiten Gebieten sind Zivilisten
  • Moskau verstärkt Truppenpräsenz in Luhansk
  • US-Verteidigungsminister: Auch China strebt Welt an, in der „Macht Recht schafft“
  • Ukrainischer General spekuliert über Kriegsende vor dem Sommer

 

Zum ersten Mal nach gut acht Monaten ist ein Zug aus Kiew in der erst vor Kurzem von russischen Besatzern befreiten südukrainischen Stadt Cherson eingefahren. Insgesamt 200 Passagiere hatten Fahrkarten ergattert, berichteten ukrainische Medien. Die sieben Waggons waren von Künstlern im Rahmen des Projekts „Zug zum Sieg“ bunt bemalt worden. Am Bahnhof begrüßten die Ankunft des Sonderzugs hunderte Schaulustige mit ukrainischen Landesfahnen und lautem Jubel.

Ukraine Cherson Ankunft 1. Zug aus Kiew

Von Künstlern mit symbolträchtigen ukrainischen Motiven bemalt: der Sonderzug nach Cherson

Die Bahnverbindung zwischen der Hauptstadt Kiew und Cherson war unmittelbar nach Kriegsbeginn am 24. Februar infolge des Einmarsches russischer Soldaten unterbrochen worden. Die Region am Dnipro war erst vor kurzem befreit worden, nachdem die ukrainischen Militärs die russischen Besatzer zum Rückzug über den Fluss gezwungen hatten. Die Züge in der Ukraine fahren langsam, aber trotz des Krieges weitgehend pünktlich und zuverlässig und halten so die Landesteile zusammen.

Generalstaatsanwalt: 90 Prozent der Toten in befreiten Gebieten sind Zivilisten

Die ukrainischen Behörden stoßen in befreiten Gebieten rund um Cherson, Charkiw und Donezk nach offizieller Darstellung auf immer mehr Beweise für Gräueltaten der einstigen russischen Besatzer. In den vergangenen zwei Monaten seien in diesen Gebieten bereits über 700 Leichen entdeckt worden, sagte Generalstaatsanwalt Andrij Kostin im Staatsfernsehen. In rund 90 Prozent der Fälle habe es sich um Zivilpersonen gehandelt. Daneben seien etwa 20 Orte entdeckt worden, an denen Zivilisten verhört und in Gefangenschaft gehalten worden seien, sagte er weiter.

Kiew: Mehr russische Truppen in Luhansk

Die russischen Streitkräfte erhöhen nach Erkenntnissen des ukrainischen Generalstabs ihre Truppenpräsenz im Gebiet der an Russland grenzenden ukrainischen Region Luhansk. Um die vielen Soldaten unterzubringen, werde ein Teil der Zivilbevölkerung zwangsumgesiedelt, erklärte der Generalstab in Kiew. Die Menschen würden in anderen Orten untergebracht, hieß es. Die ostukrainische Region Luhansk grenzt an Russland.

Ukraine Cherson Feuer nach russischem Angriff

Die Stadt Cherson ist unter Kontrolle der Ukraine, in der Region gibt es trotzdem weiter russische Angriffe

Unterdessen setzten russische und ukrainische Truppen nach eigenen Angaben an einer Vielzahl von Brennpunkten ihre Kämpfe fort. Dabei seien Panzer, Rohr- und Raketenartillerie sowie Granatwerfer eingesetzt worden, hieß es. Nach Darstellung des ukrainischen Militärs seien dabei allein in der Region Mychajlowka in der Region Saporischschja bis zu 60 russische Soldaten getötet oder verwundet worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Austin: Auch China strebt Welt an, in der „Macht Recht schafft“

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin zieht Parallelen zwischen Russland und China. Die Regierung in Peking strebe ebenso wie die in Moskau eine Welt an, in der „Macht Recht schafft“, sagt Austin in Kanada in einer Rede vor einem Sicherheitsforum. Chinesische Flugzeuge würden fast täglich in rekordhoher Anzahl in der Nähe Taiwans fliegen und die Zahl „gefährlicher Abfangmanöver“ Chinas gegen US-amerikanische oder verbündete Streitkräfte auf See oder in der Luft nehme zu.

Halifax International Security Forum Lloyd J. Austin Rede

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin bei seiner Rede im kanadischen Halifax

Die USA würden aus der Ukraine-Entwicklung ihre Lehren ziehen, um die Fähigkeiten ihrer indopazifischen Partner zur Selbstverteidigung zu stärken. Austin sagte zudem, würde die Hilfe scheitern, der Ukraine eine eigene Zukunft zu sichern, könne das in eine „Welt der Tyrannei und des Aufruhrs“ führen.

Ukrainischer General spekuliert: Krieg ist zum Frühlingsende vorbei

Der ukrainische Vizeverteidigungsminister hat sich optimistisch gezeigt, dass die eigenen Truppen bis Ende Dezember schon auf der Krim sein und bis Mitte nächsten Jahres den Krieg im eigenen Land beenden könnten. „Mein Gefühl ist, dass dieser Krieg zum Frühlingsende vorbei ist“, sagte General Wolodymyr Hawrylow in einem Interview des britischen Fernsehsenders Sky News. Er halte es nicht für ausgeschlossen, dass das ukrainische Militär schon bis Ende des Jahres auf die Krim vorrücke. Russland hatte die Halbinsel bereits im Jahr 2014 annektiert.

Ukraine ukrainsiche Armee bei Cherson

Siegesgewiss, ukrainische Soldaten im Süden des Landes

Aus militärischer Sicht könne sich der Krieg noch eine Weile hinziehen, räumte Hawrylow ein. Die ukrainische Armee brauche noch eine gewisse Zeit, um ihre volle Leistungsstärke zu erreichen. Außerdem bringe Moskau seinerseits neue Truppen an die Front. Aber die Rückeroberung weiterer Gebiete sei nur eine Frage der Zeit und ein „Black Swan“ (Schwarzer Schwan) in Russland könne den Prozess deutlich beschleunigen. Als „Black Swan“ wird ein unerwartetes Ereignis mit massiven Auswirkungen bezeichnet. Hawrylow spekulierte über ein mögliches Ende der Herrschaft Wladimir Putins angesichts der Enttäuschung in Russland über den Verlauf des Kriegs.

Zuletzt hatten sich verschiedene hochrangige US-Militärs deutlich weniger optimistisch zum weiteren Verlauf des Krieges geäußert.

qu/ack (dpa, rtr, afp)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.