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Ukraine aktuell: Zehn Millionen Ukrainer ohne Strom

 

Das Wichtigste in Kürze:

 

  • Neue Schäden an Energieinfrastruktur der Ukraine
  • IAEA verabschiedet dritte Resolution gegen Russland
  • Selenskyi lobt Verlängerung des Getreideabkommens
  • Künstler Banksy veröffentlicht Video mit Werken in der Ukraine

 

In der Ukraine ist es nach erneutem russischen Beschuss am Donnerstag laut ukrainischen Angaben zu massiven Stromausfällen gekommen. „Im Moment sind mehr als zehn Millionen Ukrainer ohne Strom“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner am Abend verbreiteten Videobotschaft. Insbesondere die Regionen Odessa, Kiew, Winnyzja und Sumy seien von den Stromausfällen betroffen, erläuterte er. Die Energieinfrastruktur sei von der Hauptstadt Kiew im Norden bis nach Dnipro in der Zentralukraine und Odessa im Süden unter ständigem Beschuss durch russische Raketen und Drohnen, hieß es in einer Erklärung des Militärs.

Ukraine | Ukrainsche Soldaten nahe des Dorfs Nowopetriwka

Auch der ukrainischen Armee macht der beginnende Winter zu schaffen

Unterdessen fiel in Kiew der erste Schnee. Der örtliche Gouverneur warnte, die Situation könne bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad und Stromausfällen „schwierig“ werden. Die Winter in der Ukraine sind zumeist lang, kalt, schneereich und windig.

IAEA verabschiedet dritte Resolution gegen Russland

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine neue Resolution gegen Russland wegen dessen Vorgehen gegen Atomanlagen in der Ukraine verabschiedet. Darin werde Russland dazu aufgerufen, „sofort“ seine Soldaten und „anderes Personal“ vom Atomkraftwerk Saporischschja abzuziehen, erklärte der IAEA-Gouverneursrat. Zudem solle Russland „alle Aktionen gegen und auf“ das Kraftwerk und alle anderen Nuklearanlagen in der Ukraine beenden, hieß es.

Die IAEA forderte Moskau auf, seine „haltlosen Behauptungen“ einzustellen, die Anlage Saporischschja gehöre zu Russland. Die Organisation habe „große Sorge“, dass Russland bisherigen Aufforderungen nicht Folge geleistet habe.

Die nunmehr dritte IAEA-Resolution gegen Russland seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine wurde laut Diplomaten von 24 der 35 Ratsmitglieder unterstützt. Russland und China stimmten demnach dagegen, andere Mitglieder enthielten sich. Eine mögliche Suspendierung oder Beschränkung der russischen IAEA-Mitgliedschaft, wie sie unter anderem von Polen gefordert worden war, wird in dem Dokument nicht erwähnt.

Ukraine-Krieg | Eindrücke abends aus Kiew

Der erste Schnee des Winters im von Stromausfällen betroffenen Kiew

Seit Monaten beschuldigen sich Moskau und Kiew gegenseitig, für Angriffe um und auf das Atomkraftwerk Saporischschja verantwortlich zu sein. Das größte AKW Europas liegt in der von Russland für annektiert erklärten Region Saporischschja nicht weit von der Front entfernt. Im Oktober hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Atomkraftwerk per Dekret unter russische Verwaltung gestellt.

Selenskyj lobt Getreidedeal

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zufrieden mit der Verlängerung des Getreideabkommens gezeigt. „Trotz aller Schwierigkeiten, trotz diverser Manipulationen durch Russland, werden wir weiterhin landwirtschaftliche Produkte über unsere Häfen am Schwarzen Meer exportieren.“ Aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen um Odessa seien seit Beginn des Abkommens, das eine monatelange russische Seesperre zuvor beendete, rund 450 Schiffe ausgelaufen. Diese hätten Nahrungsmittel in Länder wie Äthiopien, Bangladesch, Somalia oder den Sudan gebracht.

Ukraine | Wolodymyr Selenskyj

Selenskyj betont die Bedeutung des ukrainischen Getreideexports für die Lebensmittelversorgung ärmerer Länder

Er habe zudem mit internationaler Unterstützung eine neue Initiative gestartet, um ukrainisches Getreide in die Länder zu bringen, die am stärksten vom Hunger betroffen seien, teilte Selenskyj mit.

Street-Art-Künstler Banksy veröffentlicht Video mit Werken in der Ukraine

Der britische Street-Art-Künstler Banksy hat ein Video auf Instagram veröffentlicht, in dem er sich zu einer ganzen Reihe von Werken in der Ukraine bekennt. Die zumeist an Häuserwände gesprühten Bilder waren zum Teil schon vor Tagen entdeckt worden. Fotos davon hatten in sozialen Medien die Runde gemacht und für Begeisterung in dem kriegsgebeutelten Land gesorgt. Der Künstler, dessen Identität ungeklärt ist, hatte sich bislang aber nur zu einem der Bilder bekannt.

Ukraine Banksy enthüllt Wandmalereien in einer von Russland befreiten ukrainischen Stadt

Banksy Street-Art in Horenka

Das Video ist eine Art „Making-of“, in dem Banksy beim Ausschneiden von Schablonen und beim Sprühen zu sehen ist – ohne jedoch sein Gesicht zu zeigen. Anschließend werden die meist in Schwarz und Weiß gehaltenen Werke gezeigt: etwa ein alter Mann mit langem Bart, der in dem Ort Horenka in einer Badewanne sitzt und sich den Rücken mit einer großen Bürste schrubbt. Das Bild ist auf die geflieste Badezimmerwand eines Hauses aufgesprüht, in dessen Fassade eine riesige Lücke klafft. Zum Schluss wird in dem Video ein Schriftzug eingeblendet mit den Worten: „In Solidarität mit den Menschen der Ukraine“.

qu/cw (dpa, rtr, afp, ap)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.