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Ukraine aktuell: Weiter schwere Kämpfe im Osten

 

Das Wichtigste im Überblick:

 

  • Selenskyj: Weiter schwere Kämpfe in der Ostukraine
  • Kiew: Russen bauen Stellungen östlich von Cherson aus
  • Explosionen am AKW Saporischschja – nukleare Sicherheit noch gewährleistet
  • Deutschland bietet Polen Raketenabwehrsystem Patriot an
  • Baerbock kündigt weitere Hilfen für Ukraine-Nachbarn Moldau an

 

Die schweren Kämpfe im Donbass im Osten der Ukraine dauern nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj unvermindert an. Vor allem das Gebiet um Donezk sei umkämpft, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. „Obwohl es wegen der Verschlechterung des Wetters weniger Angriffe gibt, bleibt die Zahl der russischen Artillerieüberfälle leider hoch.“ Auch aus dem Gebiet Luhansk gebe es Berichte von Gefechten. Allein am Sonntag seien dort von russischer Seite fast 400 Granaten abgefeuert worden, sagte Selenskyj.

Russland-Ukraine Krieg I Donetsk

Nachladen: Ukrainische Soldaten bei Bachmut nahe der Front

Auch der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte hatte zuvor von fortgesetzten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten im Osten des Landes berichtet. Bei Luhansk seien mehrere russische Vorstöße abgewehrt worden, hieß es.

Kiew: Russen bauen Stellungen aus und klauen Fahrräder

Nach ihrem Rückzug auf das Ostufer des Flusses Dnipro bei Cherson in der Südukraine bauen russische Soldaten dort nach Angaben aus Kiew neue Abwehrstellungen aus. Gleichzeitig seien sie etwa im Bezirk Kachowka vermehrt dazu übergegangen, Fortbewegungsmittel der Zivilbevölkerung zu stehlen, teilte der ukrainische Generalstab mit. „Sie stehlen der Bevölkerung ihre Privatautos, Motorräder und sogar Fahrräder“, hieß es in der Mitteilung. Derartige Raubzüge in besetzten Gebieten seien meist Vorboten weiterer Rückzüge der Truppen.

Nicht nur Strom, auch Trinkwasser fehlt der Bevölkerung in Cherson

Nicht nur Strom, auch Trinkwasser fehlt der Bevölkerung in Cherson

Schon beim Abzug russischer Einheiten aus Isjum in der Region Charkiw im Osten der Ukraine hätten sich die Besatzer an den Fahrrädern der Bevölkerung „bedient“, da ihnen der Treibstoff für ihre Fahrzeuge ausgegangen sei, hieß es weiter. Die Angaben aus den Kampgebieten konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Grossi: Stoppt den „Wahnsinn“ in Saporischschja

Am größten Atomkraftwerk Europas spitzt sich die Lage wieder zu. Die Internationale Energiebehörde (IAEA) berichtete unter Berufung auf eigene Experten vor Ort von mehreren starken Explosionen. Die Schäden beeinträchtigten bislang nicht die nukleare Sicherheit. Russland und die Ukraine machten sich wie bei früherem Beschuss der Nuklearanlage gegenseitig dafür verantwortlich.

Wer auch immer hinter den Angriffen stecke, „es muss umgehend aufhören“, forderte IAEA-Chef Rafael Grossi. „Wie ich schon oft gesagt habe: Ihr spielt mit dem Feuer!“ Grossi rief dazu auf, „diesen Wahnsinn“ zu stoppen.

IAEA Direktor General Rafael Grossi in Wien

Sporischschja bereitet der IAEA Sorge: „Wahnsinn“, „Spiel mit dem Feuer“, drastische Worte von IAEA-Chef Grossi

Am Montag würden IAEA-Mitarbeiter die Sicherheit des Kernkraftwerks untersuchen, sagte Grossi. Der russische Betreiber Rosenergoatom teilte laut Agentur TASS mit, dass den Inspekteuren kein Zugang zum gesamten AKW-Gelände gewährt werde, sondern nur zu Bereichen die für die nukleare Sicherheit relevant seien.

Das Kernkraftwerk liegt in der von Russland für annektiert erklärten Region Saporischschja nicht weit von der Front entfernt. Im Oktober hatte der russische Präsident Wladimir Putin das AKW per Dekret unter russische Verwaltung gestellt.

Kampfpause im Winter, für Kiew keine Option

Das ukrainische Verteidigungsministerium widersprach unterdessen Spekulationen westlicher Medien und Militärvertreter, wonach im Winter an den Fronten eine Kampfpause eintreten könnte. „Wer über eine mögliche ‚Pause der Feindseligkeiten‘ wegen der Minustemperaturen im Winter spricht, hat vermutlich noch nie im Januar ein Sonnenbad an der Südküste der Krim genommen“, heißt es in einem Tweet des Ministeriums.

Russland-Ukraine Krieg I Beerdigung Vitali Kolesnik

Die Kälte macht den Ukrainern zu schaffen: Beisetzung eines gefallenen Soldaten im Schneeregen

Ukraine weist russische Anschuldigungen zurück

Kiew hat Berichte über die angebliche Hinrichtung russischer Kriegsgefangener durch ukrainische Soldaten zurückgewiesen. Die ukrainischen Truppen hätten sich vielmehr gegen russische Soldaten zur Wehr gesetzt, die ihre Kapitulation nur vorgetäuscht hätten, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, auf Telegram. In russischen Onlinenetzwerken waren Videos aufgetaucht, die angeblich die Hinrichtung von rund einem Dutzend russischer Soldaten durch ukrainische Streitkräfte nach ihrer Kapitulation zeigten.

Das russische Verteidigungsministerium hatte nach Bekanntwerden der Videos eine Untersuchung wegen „Kriegsverbrechen“ gefordert. Ein UN-Sprecher erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, die Vereinten Nationen hätten „Kenntnis von den Videos“, sie würden untersucht. Die UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine hatte vor kurzem mitgeteilt, ihr lägen glaubwürdige Berichte über Folter und Misshandlungen von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten vor.

Deutschland will Polen das Raketenabwehrsystem Patriot zur Verfügung stellen

„Wir haben Polen angeboten, bei der Absicherung des Luftraums zu unterstützen – mit unseren Eurofightern und mit Patriot-Luftverteidigungssystemen“, sagt Verteidigungsministerin Christine Lambrecht der „Rheinischen Post“. Als Konsequenz aus dem Vorfall in der vorigen Woche in Polen müsse die Luftverteidigung im NATO-Bündnis besser aufgestellt werden. Das gelte besonders für die NATO-Staaten, die direkt an Russland und die Ukraine angrenzen. Vor einigen Tagen war eine verirrte Rakete in Polen abgestürzt, dabei starben zwei Menschen. Das Geschoss wurde nach Angaben von NATO-Chef Jens Stoltenberg offenbar von der ukrainischen Luftabwehr abgefeuert und nicht von Russland. Bodengestützte Luftabwehrsysteme wie Patriot sind darauf ausgelegt, ankommende Raketen abzufangen.

Baerbock kündigt weitere Hilfen für Moldau an

Die Ex-Sowjet-Republik Moldau, direkter Nachbar der Ukraine, ist von den Folgen des Krieges besonders betroffen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte Moldau weitere Unterstützung zu. Mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin und den beginnenden Winter unterstrich die deutsche Außenministerin: „Wer glaubt, Demokratien seien verwundbar, indem man Menschen frieren lässt, dem zeigen wir: Wir stehen geschlossen, solidarisch und entschlossen gegen jeden Versuch, ein Mitglied unserer europäischen Familie zu erpressen oder gefügig zu machen.“

Außenministerin Annalena Baerbock betont die Geschlossenheit Europas gegen den Angriffskrieg des Kreml

Außenministerin Annalena Baerbock betont die Geschlossenheit Europas gegen den Angriffskrieg des Kreml

Baerbock nimmt am Montag in Paris an der dritten Geberkonferenz für Moldau teil. Bei den beiden vorherigen Geberkonferenzen wurden jeweils etwa 600 Millionen Euro eingesammelt. Moldau ist das ärmste Land Europas. Ende Juni hatten die Staats- und Regierungschefs der EU ihm den Status eines EU-Beitrittskandidaten verliehen.

qu/wa (dpa, rtr, afp)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.