Das Wichtigste in Kürze:
- Staatschef Selenskyj beklagt Zerstörung von Kulturdenkmälern
- Explosionen erschüttern Hauptstadt Kiew
- „Internationale Legion“ berichtet über Tod eines Deutschen
- Ukraine und Russland melden militärische Erfolge
- Präsident der Afrikanischen Union kündigt Kiew-Reise an
- Papst Franziskus wirbt für „Kultur des Friedens“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland eine massive Zerstörung von Kulturdenkmälern, Kirchen und anderen religiösen Stätten in der Ukraine vorgeworfen. Das sei Grund genug, dass Land aus der UNESCO, der Kultur- und Bildungsorganisation der Vereinten Nationen, auszuschließen, erklärte Selenskyj. „Die UNESCO ist kein Platz für Barbaren.“ Russland sei ein „Terrorstaat“, der mit seiner Artillerie das historische Erbe zerstöre.
In gleich zwei Videobotschaften warf der Staatschef den russischen Streitkräften vor, eine große Holzkirche in Swjatohirsk (Swjatogorsk) beschossen und in Brand gesetzt zu haben. Auf Bildern war zu sehen, dass das Bauwerk mit den Zwiebeltürmen lichterloh brannte. Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte die ukrainischen Streitkräfte, selbst das Feuer verursacht zu haben.
Seit Beginn des Krieges am 24. Februar habe Russland bereits mehr als 2500 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, berichtete Selenskyj weiter. „Unsere Helden halten die Stellung und tun alles, um dem Feind maximale Verluste zuzufügen.“
Mit Blick auf den Schwerpunkt der Kämpfe im Donbass in der Ostukraine meinte der Staatschef, es werde der Tag kommen, an dem Russland das Gebiet in Ruhe lassen werde. Dafür sei nur der Befehl eines Menschen entscheidend, sagte er, ohne Kremlchef Wladimir Putin beim Namen zu nennen.
Gefechte um Sjewjerodonezk dauern an
Im Kampf um die Großstadt Sjewjerodonezk im Donbass haben sowohl Russland als auch die Ukraine Erfolge vermeldet. Russland werfe sein „ganzes Gewicht“ in diese Schlacht, erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj. Die ukrainischen Kräfte „drängen sie aber jetzt zurück“. Das russische Verteidigungsministerium meldete hingegen, ukrainische Einheiten seien aus Sjewjerodonezk in Richtung Lyssytschansk abgezogen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Sjewjerodonezk ist die größte Stadt in der Region Luhansk, die noch unter ukrainischer Kontrolle steht. Erklärtes Ziel Russlands ist es, den wirtschaftlich wichtigen Donbass im Osten der Ukraine komplett zu besetzen.
Explosionen in Kiew
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von Explosionen erschüttert worden. Betroffen sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko die Stadtbezirke Darnyzky und Dniprowsky. Er teilte im Messengerdienst Telegram weiter mit: „Die Rettungsdienste sind dabei zu löschen.“
AA prüft Bericht über Tod eines Deutschen
Die Ukraine hat erstmals den Tod eines freiwilligen Kämpfers aus Deutschland gemeldet. Auch drei Freiwillige aus Frankreich, Australien und den Niederlanden seien unter den „gefallenen Waffenbrüdern“, teilte die „Internationale Legion für die Verteidigung der Ukraine“ in Kiew mit. Die Namen der Männer wurden ebenfalls genannt, nicht aber der Zeitpunkt und der Ort ihres Todes. Aus dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin hieß es, die deutsche Botschaft bemühe sich um Aufklärung und stehe mit den ukrainischen Stellen in Kontakt, die entsprechende Nachrichten verbreitet hätten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Freiwillige aus der ganzen Welt aufgerufen, sich dem Kampf gegen die russische Armee anzuschließen. Dazu wurde die Legion gegründet, die inzwischen aktiv rekrutiert. Das russische Militär meldet immer wieder die „Vernichtung“ von Söldnern, die Zahl der getöteten Ausländer geht nach Darstellung Moskaus in die Tausenden.
Grünen-Chef mit unmissverständlicher Position
Der Co-Vorsitzende der deutschen Grünen, Omid Nouripour, hat einen Sieg der Ukraine im Krieg gegen Russland als Ziel genannt. „Die Ukrainer müssen ihre Souveränität, ihre territoriale Integrität und ihre Freiheit zurückerlangen“, sagte Nouripour der Funke-Mediengruppe. „Wir werden keinen Quadratzentimeter okkupierten ukrainischen Bodens anerkennen.“
Die Frage, ob die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen solle, beantwortete Nouripour mit „Ja“. Er fügte hinzu: „Aber wir sagen der Ukraine nicht, was sie zu tun hat. Wenn sie diese Territorien zurückerobern will, dann unterstützen wir sie. Und wenn sie verhandeln will, dann unterstützen wir sie auch.“
Omid Nouripour (l.) mit Olaf Scholz am Freitag im Bundestag
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und mehrere Minister hatten mit Blick auf den Krieg immer wieder die Formulierung verwendet, Russland dürfe nicht gewinnen oder die Ukraine dürfe nicht verlieren. Dies warf Fragen auf, warum sie stattdessen nicht ausdrücklich einen Sieg der Ukraine forderten.
„Es wird keine militärische Lösung geben“
Dietmar Bartsch, der Fraktionsvorsitzende der Partei „Die Linke“ im Bundestag, hat sich klar gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine positioniert. „Ich bin strikt dagegen, dass Deutschland mehr Waffen, schwerere in die Ukraine exportiert“, sagte Bartsch dem Deutschlandfunk (Dlf). Er frage sich, was das Ziel solcher Waffenlieferungen sei und was es bedeuten solle, wenn es heiße, die Ukraine müsse den Krieg gewinnen.
„Ich bin der Überzeugung, dass es keine militärische Lösung geben wird“, so Bartsch. Ein Waffenstillstand müsse daher das oberste Ziel sein. „Am Ende des Tages muss sich Russland an einen Verhandlungstisch setzen müssen.“ Zugleich betonte er, dass die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung habe.
Dietmar Bartsch (M.) mit Parteifreunden bei einer Demo in Berlin (Archiv)
Seiner Ansicht nach führe die Diskussion in Deutschland über Waffenlieferungen in die Irre, sagte Bartsch. „Wir dürfen nicht unterschätzen, dass die Kriegsgefahr auch für Deutschland größer wird. Und da haben auch Menschen Angst“, betonte der Linken-Fraktionschef.
Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Warum Frieden im Ukraine-Krieg derzeit illusorisch ist
AU-Präsident kündigt Reise nach Kiew an
Nach seiner Unterredung mit Kremlchef Wladimir Putin will der Präsident der Afrikanischen Union (AU), Senegals Staatsoberhaupt Macky Sall, auch Gespräche in Kiew führen. „Ja (…), ich werde auch nach Kiew reisen“, sagte Sall beim Gipfel der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) in Accra. Dies sei „wichtig, um zu einer Rückkehr zum Frieden beizutragen“.
Sall war am Freitag von Putin in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi empfangen worden. Dabei hatte der AU-Chef mit Blick auf die Kämpfe in der Ukraine deutlich gemacht, dass „die Krise und die Sanktionen wirtschaftlich schwachen Ländern wie denen in Afrika ernsthafte Probleme bereiten“. Nach dem Treffen äußerte sich Sall „sehr beruhigt und glücklich über unseren Austausch“ mit dem russischen Staatschef.
Macky Sall mit Wladimir Putin in Sotschi
Afrikanische Staaten beziehen mehr als die Hälfte ihrer Getreideeinfuhren aus der Ukraine und Russland. In ukrainischen Häfen lagern derzeit dutzende Millionen Tonnen Getreide, die wegen des Konflikts mit Russland nicht ausgeführt werden können. Die Ukraine ist eines der führenden Anbauländer für Mais, Weizen und Sonnenblumen. Auch Russland gehört zu den weltweit wichtigsten Getreideproduzenten.
Franziskus thematisiert Kriegsleid
Papst Franziskus hat zum Pfingstfest für eine „Kultur des Friedens“ geworben. Die Welt sei geprägt von den Pandemie-Folgen, von Hunger und Leid in vielen Teilen der Erde, sagte er in einer Videobotschaft. Zudem gebe es Krieg – „Krieg zwischen Brüdern, Krieg unter Christen“, so der 85-Jährige mit Blick auf die „Invasion der Ukraine“. Die schwierige Lage im Jemen, im Libanon sowie das „Martyrium“ der muslimischen Rohingya-Minderheit sprach er ebenfalls an.
Besonders Staatenlenker sollten sich für friedliche Konfliktlösungen einsetzen, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche – ohne konkrete Namen zu nennen. Die Geschichte werde ein Urteil über ihre Bemühungen fällen. Doch auch jeder Einzelne sei aufgerufen, in seinem Alltag Liebe zu verbreiten und den Hass zu besiegen. Auf diese Weise könne es gelingen, die Welt zu verändern.
wa/fab/se (dpa, afp, rtr, kna)
Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.