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Ukraine – Aktuell: Sjewjerodonez unter russischem Dauerbeschuss

Das Wichtigste in Kürze:

  • Große Zerstörungen in Sjewjerodonezk
  • Geheimdienstchef von Charkiw gefeuert
  • Lawrow im Interview eines französischen TV-Senders
  • Spendenmarathon für die Ukraine in Berlin

 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland die weitgehende Zerstörung der Großstadt Sjewjerodonezk im Donbass vorgeworfen. Die gesamte Infrastruktur sei vernichtet, sagte Selenskyj. „90 Prozent der Häuser sind beschädigt. Mehr als zwei Drittel des Wohnbestands der Stadt sind komplett zerstört.“ Ständig werde die Stadt angegriffen. Die russische Armee wolle Sjewjerodonezk unbedingt erobern.

„Der Name klingt bitter“

„Und es ist ihnen egal, wie viele Leben sie für den Versuch bezahlen müssen.“, sagte Selenskyj weiter. Die Angreifer wollten ihre Fahne auf dem Verwaltungsgebäude von Sjewjerodonezk hissen, das am Boulevard der Völkerfreundschaft stehe, sagte Selenskyj. „Wie bitter dieser Name jetzt klingt.“

Die Ukraine unternehme alles, um die Offensive einzudämmen. „Es gab keinen einzigen Tag, an dem wir uns nicht bemüht haben, mehr Waffen zu finden, mehr moderne Waffen, um unser Land, unser Volk, zu schützen“, sagte der Präsident. Sjewjerodonezk ist seit Monaten Ziel russischer Angriffe. Die Stadt gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch unter Kontrolle hält.

Geheimdienstchef muss gehen

Präsident Selenskyj hat den Geheimdienstchef der ostukrainischen Stadt Charkiw entlassen. Er habe festgestellt, dass dieser sich von Beginn des russischen Angriffskriegs an nicht um die Verteidigung der Stadt gekümmert habe, „sondern nur an sich selbst dachte“, sagte Selenskyj. Welche Motive dahinter standen, würden nun die Strafverfolgungsbehörden untersuchen.

Der Präsident hatte am Sonntag erstmals seit der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar den Osten seines Landes besucht. Sein Büro veröffentlichte im Messengerdienst Telegram ein Video, das Selenskyj mit einer kugelsicheren Weste bei der Besichtigung von zerstörten Gebäuden in Charkiw und Umgebung zeigte. Bei seinem Besuch traf er zudem den Gouverneur der Region Charkiw sowie den Bürgermeister der zweitgrößten Stadt des Landes.

Donbass muss eingenommen werden, sagt Lawrow

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Einnahme des ostukrainischen Donbass als „bedingungslose Priorität“. Es gehe darum, die ukrainische Armee und Bataillone aus den von Moskau als unabhängige Staaten anerkannten Gebieten Donezk und Luhansk zu drängen, sagte Lawrow dem französischen Sender TF1. 

Russland I Sergej Lawrow

Sergej Lawrow ist seit 2004 Russlands Außenminister

In anderen Gebieten der Ukraine, in denen Russland eine „militärische Operation“ durchführe, müssten die Bewohner selbst über ihre Zukunft entscheiden, sagte Lawrow. Hingegen rechnet die Regierung in Kiew damit, dass es etwa in der ukrainischen Region Cherson ein gelenktes Referendum geben könnte über die Ausrufung einer „Volksrepublik“ nach dem Vorbild der prorussischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk.

Wie steht es um Putins Gesundheit?

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zu Beginn des Angriffskriegs am 24. Februar gesagt, dass Moskau die ukrainischen Gebiete nicht besetzen wolle, sondern prüfen werde, wie die Menschen reagieren. Lawrow sprach in dem Interview erneut von einer angeblichen „Befreiung“ des Donbass vom „Kiewer Regime“.

Er äußerte sich auch auf eine Frage zur Gesundheit von Putin. Der Präsident erscheine täglich in der Öffentlichkeit, sagte der Außenminister. „Sie können ihn auf den Bildschirmen beobachten, seine Auftritte lesen und hören. Ich glaube nicht, dass vernünftige Leute in diesem Menschen Anzeichen einer Krankheit oder eines Unwohlseins sehen können.“

Spendenmarathon am Brandenburger Tor

Mit einer Show vor dem Brandenburger Tor in Berlin haben Musikstars aus der Ukraine an den seit fast 100 Tagen tobenden Krieg in ihrer Heimat erinnert und um Spenden für Krankenhäuser geworben. Rund 15.000 Zuschauer verfolgten am Sonntagabend den Spendenmarathon vor Ort, schätzten Veranstalter und Polizei.

«Save Ukraine - #StopWar» am Brandenburger Tor

Etwa 15.000 Menschen kamen zur Veranstaltung „Save Ukraine – #StopWar“

Ukrainische Fernsehsender übertrugen die Wohltätigkeitsveranstaltung zudem live, auch Sender anderer Staaten übernahmen sie. Während der Show wurden Videobotschaften zahlreicher internationaler Prominenter sowie Politiker eingeblendet, darunter von Bundeskanzler Olaf Scholz. Der SPD-Politiker versicherte den Menschen in der von Russland angegriffenen Ukraine die Solidarität Deutschlands.

Scholz setzt auf Zuversicht

„Wir stehen an Eurer Seite“, sagte er in englischer Sprache. „Wir sind im Herzen und in Gedanken bei Euch – heute genauso wie an jedem Tag, seit Russland Euer Land angegriffen hat.“ Gemeinsam mit Freunden und Partnern leiste Deutschland finanzielle Unterstützung um sicherzustellen, dass die ukrainische Wirtschaft nicht zusammenbreche, so Scholz.

«Save Ukraine - #StopWar» am Brandenburger Tor

Bundeskanzler Scholz wandte sich per Video an die Menschen vor dem Brandenburger Tor

Deutschland schicke Waffen, zudem hätten fast 800.000 Ukrainerinnen und Ukrainer hier Zuflucht gefunden. Außerdem werde an Plänen für den Wiederaufbau nach dem Krieg geschmiedet. „Denn dieser Krieg wird enden“, sagte Scholz. „Wir stehen geeint – für die Ukraine, für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Würde. Als europäische Schwestern und Brüder.“

EU berät über neues Sanktionspaket gegen Russland

Über weitere Finanzhilfen für die Ukraine wird auf dem EU-Sondergipfel an diesem Montag und Dienstag in Brüssel beraten. Offen ist, ob die Staats- und Regierungschefs sich auf das sechste Sanktionspaket gegen Russland einigen können. Dieses sollte auch ein Ölembargo gegen Russland enthalten, das Ungarn aber nicht mittragen will. Der ukrainische Präsident Selenskyj will zu Beginn des Gipfels per Video über die Lage in der Ukraine berichten.

haz/fw (dpa, rtr, afp, ap)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.