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Ukraine aktuell: Selenskyj warnt vor Atom-Katastrophe

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj erinnert nach AKW-Beschuss an Tschernobyl
  • US-Regierung sagt Ukraine weitere Milliardenhilfen zu
  • Ministerin Schulze warnt vor Euphorie bei Getreidelieferungen
  • Kiew meldet vereitelten Anschlag auf Verteidigungsminister
  • Pentagon: Bis zu 80.000 tote oder verletzte russische Soldaten

 

Nach den Angriffen auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja hat Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einer atomaren Katastrophe gewarnt und Vergleiche zum Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 gezogen. „Die Welt sollte Tschernobyl nicht vergessen und sich daran erinnern, dass das Atomkraftwerk Saporischschja das größte in Europa ist“, sagte er. „Die Tschernobyl-Katastrophe war die Explosion eines Reaktors. Saporischschja hat sechs Reaktoren.“

Die Atomanlage im Süden der Ukraine war in den vergangenen Tagen zweimal unter Beschuss geraten. Dabei wurden Teile der Anlage beschädigt, ein Reaktor musste abgeschaltet werden. Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Das AKW ist seit Anfang März von der russischen Armee besetzt.

Dem Bundesamt für Strahlenschutz liegen bislang keine Hinweise vor, dass in der Ukraine radioaktive Stoffe freigesetzt worden sein könnten. Das teilte die Behörde den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit.

Ukraine will Reisebann für Russen

Im Gespräch mit der US-Zeitung „Washington Post“ hat Selenskyj einen internationalen Reisebann für alle Russen gefordert, um Moskau von einer Annexion besetzter Gebiete abzuhalten. „Die wichtigsten Sanktionen sind es, die Grenzen zu schließen, denn die Russen nehmen anderen ihr Land weg“, sagte Selenskyj. Die Russen sollten „in ihrer eigenen Welt leben, bis sie ihre Philosophie ändern“.

Ukrainischer Wolodymyr Selenskyj

Die Russen sollten vorerst „in ihrer eigenen Welt leben“, meint Selenskyj

Im russisch besetzten Teil des Gebiets Saporischschja wurde am Montag ein Referendum über einen Beitritt zur Russischen Föderation angekündigt. Ähnliche Pläne gibt es für das besetzte Gebiet Cherson.

Neue Milliardenhilfen der USA

Die US-Regierung hat das bisher größte Rüstungspaket aus eigenen Beständen an das Land angekündigt. In dem eine Milliarde US-Dollar (rund 980 Millionen Euro) schweren Paket sind zusätzliche Munition, Waffen und Ausrüstung enthalten, um den kritischen Sicherheitsbedarf bei der Verteidigung des Landes zu decken, wie US-Präsident Joe Biden erklärte.

M777-Haubitzen aus US-Beständen

Diese Haubitzen aus US-Beständen gingen zuletzt an die Ukraine

Außerdem will Washington der Regierung in Kiew weitere 4,5 Milliarden US-Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) für den Staatshaushalt zur Verfügung stellen. Mit dem Geld solle das durch Russlands „brutalen Angriffskrieg“ verursachte Haushaltsdefizit gelindert werden, teilte die US-Behörde für internationale Entwicklung mit. Die Regierung der Ukraine werde die Mittel in Tranchen erhalten, beginnend mit einer Auszahlung von drei Milliarden im August. Die Mittel sollen dem Land über die Weltbank zur Verfügung gestellt werden.

Schulze warnt vor Euphorie bei Getreidelieferungen

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat auch nach dem Auslaufen erster Transportschiffe aus ukrainischen Häfen mit Getreide an Bord vor zu großer Euphorie gewarnt. „Die Getreidepreise sind zwar leicht gesunken, aber immer noch auf hohem Niveau“, sagte die SPD-Politikerin der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ und dem Bonner „General-Anzeiger“. Der russische Präsident Wladimir Putin habe „zu oft sein Wort gebrochen, als dass wir ihm vertrauen könnten“.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD)

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD)

„Für Euphorie ist dies leider kein Anlass“, sagte die Ministerin weiter. „Wir können nie sicher sein, dass er nicht weiter Getreide als Waffe nutzen wird.“ Schulze betonte zugleich, dass jede Tonne Getreide, die exportiert werde, Menschen helfen könne, die unter hohen Lebensmittelpreisen litten.

Käufer verweigert Annahme von Getreide

Das erste Schiff, das die Ukraine seit Ende der Hafenblockade für Getreidetransporte verlassen hat, kann seine Fracht nicht löschen. Der libanesische Käufer verweigere wegen fünfmonatiger Verspätung die Annahme der Lieferung, teilt die ukrainische Botschaft im Libanon über Facebook mit.

Getreidefrachter aus Ukraine erreicht Türkei

Die Reederei suche nun nach einem anderen Käufer. Die „Razoni“ hat 26.527 Tonnen Getreide geladen. Derzeit ankert sie vor der türkischen Küste.

Angeblich Anschlag auf Verteidigungsminister verhindert 

Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben einen Anschlag russischer Spione auf Verteidigungsminister Olexij Resnikow und den Chef des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, vereitelt. Es seien „Mörder der russischen Spezialdienste verhaftet worden, die Attentate planten“, teilte der Inlandsgeheimdienst SBU auf Telegram mit. Ein zugleich veröffentlichtes SBU-Video zeigt, wie eine bewaffnete Gruppe zwei Männer in Zivil überwältigt und mit Handschellen fesselt.

Ukrainischer Verteidigungsminister Olexij Resnikow

Resnikow im April bei einer Konferenz im rheinland-pfälzischen Ramstein

Die beiden Männer wurden den Angaben zufolge in Kowel im Nordwesten der Ukraine verhaftet. Einer der mutmaßlichen Verschwörer sei aus Russland über Belarus ins Land gekommen. Sie sollen die „physische Liquidierung“ von Resnikow und Budanow vorbereitet haben. Dafür sollen sie für jeden „Mord“ bis zu 150.000 Dollar (147.000 Euro) Belohnung in Aussicht gestellt bekommen haben. 

Pentagon: „Bemerkenswerte“ Verluste Russlands

Im bisherigen Verlauf des Ukraine-Kriegs sind nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums bis zu 80.000 russische Soldaten getötet oder verletzt worden. „Die Russen haben vermutlich 70.000 bis 80.000 Opfer in weniger als sechs Monaten erlitten“, sagte der hochrangige Pentagon-Vertreter Colin Kahl in Washington.

Russischer Soldat im Ukraine-Krieg

Russischer Soldat im Ukraine-Krieg

Zudem habe die russische Armee „drei- oder viertausend“ gepanzerte Fahrzeuge eingebüßt, womöglich habe sie auch bald nicht mehr genug Raketen-Nachschub für ihren Krieg. Die Verluste Moskaus seien „ziemlich bemerkenswert angesichts dessen, dass die Russen nicht eines der von Wladimir Putin zu Kriegsbeginn genannten Ziele erreicht haben“, sagte Kahl weiter.

gri/ust (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.