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Ukraine aktuell: Selenskyj ruft zum Widerstand auf

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj ruft zu Widerstand in besetzten Gebieten auf
  • Vergeltung für russischen Angriff auf Marhanez angekündigt
  • Moskau gegen diplomatische Vertretung Kiews durch die Schweiz
  • EU-Staaten dürfen keine russische Kohle mehr kaufen
  • UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Lage am AKW Saporischschja

 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute in den von Russland besetzten Gebieten zum Widerstand aufgerufen. Sie sollten den ukrainischen Streitkräften über sichere Kanäle Informationen zum Feind oder über Kollaborateure übermitteln, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

Der Staatschef äußerte auch die Erwartung, dass die russischen Besatzer bald die Flucht ergreifen. „Sie haben bereits das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, aus Cherson und im Allgemeinen aus dem Süden unseres Landes zu fliehen. Es wird eine Zeit geben, in der sie aus dem Gebiet Charkiw, aus dem Donbass und von der Krim fliehen werden.“

Grund für Explosionen auf der Krim unklar

Selenskyj erinnerte an die Explosionen auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt auf der Halbinsel Krim am Dienstag. Dort seien auf einen Schlag neun russische Kampfflugzeuge zerstört worden. Dabei haben nach inoffiziellen Angaben Partisanen, die loyal zur Ukraine stehen, eine Rolle gespielt. 

„Kriegsdauer hängt von russischen Verlusten ab“

In seiner Ansprache kündigte Selenskyj auch Vergeltung für russische Luftangriffe auf das Gebiet Dnipropetrowsk im Osten der Ukraine an. Bei einem Beschuss der Stadt Marhanez waren in der Nacht zu Mittwoch 13 Menschen getötet und zehn verletzt worden.

Trümmer und zerstörte Fenster im Flur eines zerstörten Schulgebäudes in der ukrainischen Stadt Marhanez

Zerstörtes Schulgebäude in Marhanez (Quelle: Ukrainische Notfallbehörde)

Der Präsident erklärte, die Ukraine müsse überlegen, wie man den russischen Kräften so viel Schaden wie möglich zufügen könne, um den Krieg zu verkürzen. Wie lange der Krieg noch dauere, hänge von den russischen Verlusten ab. Dafür wiederum komme es auf die Militärhilfe durch das Ausland an. Je entschiedener diese ausfalle, desto eher könnten die Ukraine und Europa wieder in Frieden leben.

Ukraine einigt sich mit Schweiz auf Vertretung in Moskau

Die Schweiz soll die Ukraine nach deren Willen diplomatisch in Russland vertreten. Das Außenministerium in Kiew teilte mit, die Wahrnehmung der Interessen sei mit der Schweiz bereits bilateral vereinbart worden. Das Land habe „große Erfahrung bei der Erfüllung solcher Funktionen“, sagte ein Sprecher. Nach Angaben ukrainischer Medien bestätigte das Schweizer Außenministerium die Einigung, verwies aber auf die fehlende Zustimmung aus Moskau.

Das Gebäude der Schweizer Botschaft in Moskau mit der davor verlaufenden Straße

Schweizer Botschaft in Moskau

Das russische Außenministerium verwies auf Äußerungen von Minister Sergej Lawrow, wonach man keine Vermittlung eines Landes akzeptieren werde, das sich Sanktionen angeschlossen habe. Die Neutralität der Schweiz sei durch deren Übernahme der EU-Sanktionen entwertet, heißt es in einer Stellungnahme, aus der die Zeitung „Kommersant“ zitierte.

Kiew hatte die diplomatischen Beziehungen zu Moskau am 24. Februar abgebrochen. An diesem Tag begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Kohleembargo ist in Kraft

Die EU-Staaten dürfen ab sofort keine Kohle mehr aus Russland importieren. In der Nacht zu Donnerstag endete die Übergangsperiode für das Kohleembargo, das die EU-Staaten als Teil des fünften Sanktionspakets im April beschlossen hatten. Damit sich die Industrie auf das Einfuhrverbot einstellen konnte, einigten sich die Länder damals auf eine Übergangsfrist von 120 Tagen.

Kohle-Haufen und anderes Massengut liegt aufgeschüttet im Hafen von Rotterdam, im Hintergrund sind Container und große Krähne zu sehen

Kein „Schwarzes Gold“ mehr aus Russland: Kohle im Hafen von Rotterdam

Ziel des Importstopps ist es, die russische Wirtschaft weiter zu schwächen. Nach Angaben der EU-Kommission im April könnte das Kohleembargo ein Minus von rund acht Milliarden Euro pro Jahr für Russland bedeuten. Der Verein der Kohlenimporteure (VdKi) rechnet trotz des Importverbots nicht mit Lieferengpässen in Europa, da Kohle auf dem Weltmarkt verfügbar sei. 

Sitzung des UN-Sicherheitsrates nach AKW-Beschuss

Angesichts der Gefahr einer nuklearen Katastrophe im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja soll sich der UN-Sicherheitsrat nach Angaben aus diplomatischen Kreisen an diesem Donnerstag (21.00 MESZ) zu einer Krisensitzung treffen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hat Russland die Sitzung beantragt.

Sorge um AKW Saporischschja

Seit Tagen wird aus der Gegend um das AKW heftiger Beschuss gemeldet. Moskau und Kiew machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Die im Süden der Ukraine gelegene Anlage ist das größte Atomkraftwerk Europas. Es ist seit Anfang März von der russischen Armee besetzt.  

gri/ww (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.