Das Wichtigste in Kürze:
- Biden nennt Putins Kriegsziele irrational
- Selenskyj verspricht Landsleuten zügigen Wiederaufbau der Infrastruktur
- IAEA-Chef Grossi dringt auf AKW-Schutzzone
- NATO berät über weitere Unterstützung für Ukraine
- Deutschland und USA liefern moderne Waffensysteme
In einem Interview des US-Senders CNN macht US-Präsident Joe Biden deutlich: Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich seiner Einschätzung nach mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine völlig verrechnet. Er habe vor allem den Widerstand gegen die russischen Besatzer unterschätzt, sagte Biden. Er halte Putin zwar für einen „rationalen Akteur“, seine Ziele aber nicht. Putin wolle ein Russland schaffen, „das alle russischsprachigen Menschen vereint“, kritisierte Biden in dem TV-Interview. Diese Vorstellung halte er für „irrational“. Der Kremlchef sei fälschlicherweise davon ausgegangen, von den Ukrainern mit offenen Armen empfangen zu werden, dabei habe er sich „erheblich verkalkuliert“. Er gehe aber nicht davon aus, dass Putin im Krieg mit der Ukraine taktische Atomwaffen einsetzen werde.
Selenskyj verspricht Landsleuten zügigen Wiederaufbau der Infrastruktur
Nachdem Russland am Dienstag den zweiten Tag in Folge Städte in der ganzen Ukraine beschossen hat, hat Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen Landsleuten einen baldigen Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur versprochen. Der neuerliche Beschuss habe die Reparatur zuvor beschädigter Objekte lediglich verzögert, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Insgesamt habe Russland am Dienstag 28 Raketen auf sein Land abgefeuert. Davon habe die ukrainische Luftverteidigung 20 abgefangen. Von 15 Drohnen seien fast alle abgeschossen worden. Laut ukrainischem Militär wurden mehr als zehn Städte schwer getroffen, darunter Lwiw, Bachmut, Awdijiwka und Saporischschja.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zuletzt am Dienstag mit US-Präsident Biden beraten
Tote bei russischen Angriffen auf südukrainische Region Saporischschja
Am Abend wurden bei einem neuerlichen russischen Angriff auf die südukrainische Region Saporischschja nach Angaben der Regierung in Kiew mindestens sieben Menschen getötet. Weitere seien beim Beschuss der Städte Orichiw und Stepnohirsk verletzt worden. Auch die nahe der Front gelegene Stadt Saporischschja wurde demnach von Raketen getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Behörden traf der Beschuss zivile Infrastruktur, ein Mensch wurde getötet.
Rettungskräfte bergen in Saporischschja bei russischem Beschuss getötete Menschen
IAEA-Chef Grossi dringt auf AKW-Schutzzone
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hat bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin erneut eine Schutzzone um das Atomkraftwerk Saporischschja gefordert. „Wir dürfen keine Zeit verlieren“, sagte Grossi nach dem Gespräch in St. Petersburg laut Mitteilung. Die Lage um das seit Monaten von Russland besetzte AKW werde wegen der häufigen militärischen Angriffe „immer gefährlicher“. Zur Vermeidung eines Atomunfalls hat Grossi die Einrichtung einer Waffenstillstandszone vorgeschlagen. Eine Demilitarisierung mit Truppenabzügen ist nicht Teil des Plans. Kremlchef Putin sagte, Russland sei bereit, die „Situation“ rund um das AKW Saporischschja zu besprechen.
Vieraugengespräch in St. Petersburg: IAEA-Chef Grossi (l.) und Kremlchef Putin
Seit mehreren Monaten beschuldigen sich Moskau und Kiew gegenseitig, für Angriffe um und auf das Atomkraftwerk, das nahe der Frontlinie liegt, verantwortlich zu sein.
NATO berät über weitere Unterstützung für Ukraine
Die Verteidigungsminister der NATO-Staaten kommen in Brüssel zu Gesprächen über die weitere Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Russland zusammen. Bei dem Treffen soll es unter anderem um Waffenlieferungen gehen. Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte im Vorfeld an, dass das Militärbündnis seine Hilfe verstärken werde.
Bombenkrater unmittelbar neben einem Spielplatz in Kiew
Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht hat vor dem NATO-Treffen die russischen Raketenangriffe in der Ukraine scharf verurteilt. „Mit dem Raketenbeschuss ukrainischer Städte terrorisiert Putin unverhohlen die Zivilbevölkerung. Seine Verachtung gegenüber den Menschen steigt offensichtlich mit dem Scheitern seiner Pläne“, sagte Lambrecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Unterstützung für die Ukraine müsse unvermindert fortgesetzt werden. Gerade die Lieferung von Flugabwehrsystemen sei deshalb der richtige Schritt.
Deutschland und USA liefern moderne Waffensysteme
Lambrecht hatte angekündigt, dass das erste von vier hochmodernen deutschen Iris-T SLM Luftverteidigungssystemen jetzt der Ukraine zur Verfügung gestellt werde. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wurde das Iris-System am Dienstag an der polnisch-ukrainischen Grenze bereits übergeben. Es kann zur Abwehr von anfliegenden Raketen in einer Höhe bis zu 20 Kilometern und in einer Entfernung von bis 40 Kilometern eingesetzt werden.
Angekommen sind in der Ukraine vier zusätzliche HIMARS-Raketenwerfer (High Mobility Artillery Rocket System) aus den USA. Verteidigungsminister Olexij Resnikow dankte US-Präsident Joe Biden auf Twitter: „Eine gute Zeit für die Ukrainer und eine schlechte Zeit für die Besatzer“, schreibt er nach der Ankunft der mobilen Mehrfachraketenwerfer.
qu/mak (dpa, afp, rtr)
Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.