Das Wichtigste in Kürze:
- Militärischer Sieg der Ukraine gilt als „wenig wahrscheinlich“
- Russischer Generalstab war in der Krise nicht erreichbar
- Vereinte Nationen rufen nach Raketeneinschlag zu Deeskalation auf
- Ukraine verschenkt Weizen, Berlin zahlt den Transport
„Die Wahrscheinlichkeit eines ukrainischen militärischen Sieges – definiert als der Rauswurf der Russen aus der gesamten Ukraine, einschließlich der von ihnen beanspruchten Krim – ist militärisch gesehen nicht sehr hoch“, sagte US-Generalstabschef Mark Milley in Washington. Die Regierung in Moskau verfüge trotz der Rückschläge im Krieg noch über eine bedeutende Kampfkraft in der Ukraine. Es könne aber eine politische Lösung geben, bei der Russland sich zurückziehe. „Das ist möglich“, sagte Milley. Russland liege „im Moment auf dem Rücken“.
Der ranghöchste US-General berichtete auch, dass es ihm nach dem Raketeneinschlag in Polen nicht gelungen sei, Kontakt zum russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow aufzunehmen. Problemlos habe er aber mit dem ukrainischen Armeechef Walerij Saluschnyj und anderen europäischen Generälen sprechen können, sagte Milley. Die US-Regierung hatte stets die Bedeutung direkter Kontakte mit Moskau betont, um Krisensituationen zu entschärfen.
Vereinte Nationen rufen zu Deeskalation auf
Der tödliche Raketeneinschlag in Polen ist für die Vereinten Nationen „eine beängstigende Erinnerung“ daran, dass jede weitere Eskalation absolut vermieden werden müsse. Solange der Krieg anhalte, könne er sich katastrophal ausbreiten, sagte die UN-Beauftragte für politische Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.
Die USA und ihre westlichen Verbündeten machen Moskau für den Raketenabsturz verantwortlich. „Diese Tragödie wäre nie passiert, wenn Russland nicht unnötigerweise in die Ukraine eingedrungen wäre und seine jüngsten Raketenangriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine nicht gewesen wären“, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield vor dem Sicherheitsrat. „Die Ukraine hat jedes Recht, sich gegen dieses Sperrfeuer zu verteidigen.“ Der britische und der polnische Vertreter schlossen sich dieser Aussage an.
Sitzung des UN-Sicherheitsrats (Archiv)
Der russische UN-Botschafter Vassily Nebenzia erwiderte: „Wir sind schon seit langem nicht mehr überrascht von Ihren Versuchen, unter allen Umständen und entgegen den Tatsachen oder dem gesunden Menschenverstand Russland für alles verantwortlich zu machen.“
Selenskyj: Rakete war nicht ukrainischen Ursprungs
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj widerspricht der Einschätzung der NATO und Polens, dass der Raketeneinschlag in Polen auf ein ukrainisches Geschoss zurückgeht. „Ich habe keinen Zweifel, dass es sich nicht um unsere Rakete handelt“, sagte er im ukrainischen Fernsehen. „Ich glaube, dass es eine russische Rakete war, basierend auf den Berichten unseres Militärs.“
Kiew habe bislang keine Beweise dafür gesehen, dass es sich um eine ukrainische Rakete handelte, sagte Selenskyj und forderte eine gemeinsame Untersuchung. Die NATO und Polen hatten zuvor erklärt, der Einschlag sei wahrscheinlich durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht worden, die zur Abwehr russischer Raketenangriffe abgefeuert wurde.
Ukraine schenkt Weizen für Äthiopien, Berlin zahlt Transport
Die Bundesregierung will den Schiffstransport einer ukrainischen Weizenspende nach Äthiopien mit rund 13,5 Millionen Euro unterstützen. Mit der ukrainischen Spende könnten 1,6 Millionen Äthiopier einen Monat ernährt werden, sagte Bundesagrarminister Cem Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das verdiene „größten Respekt“.
Angesichts der anhaltenden Dürre sind Millionen Menschen am Horn von Afrika auf Lebensmittelhilfe angewiesen
Die Ukraine spendet demnach 25.000 Tonnen Weizen, die von Odessa per Schiff über das UN-Welternährungsprogramm nach Äthiopien gebracht werden sollen. „Die Ukraine zeigt, dass sie selbst in Zeiten größter Not Verantwortung für die hungernden Menschen auf dieser Welt übernimmt“, sagte Özdemir.
rb/cw (AFP, AP, dpa, KNA, Reuters)
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