Das Wichtigste in Kürze:
- Selenskyj zeigt sich weiter siegesgewiss
- Russische Grenzregion meldet Todesopfer
- Berlin hat kaum noch Wohnraum für Geflüchtete
- Kretschmer gegen Totalverzicht auf russisches Gas
Die Streitkräfte der Ukraine kämen jeden Tag an der Front voran, die Schläge gegen die Infrastruktur von russischer Seite könnten sie nicht aufhalten, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer neuen Videobotschaft: „Die Ukrainer sind vereint und wissen genau, dass Russland keine Chance hat, diesen Krieg zu gewinnen.“
„Die russischen Propagandisten lügen, wenn sie sagen, dass dieser Terror gegen unsere Infrastruktur und Menschen die aktiven Handlungen unseres Militärs irgendwie bremsen könnte“, hatte der Staatschef schon zuvor verkündet. Russland ziehe sich bereits zurück auf dem Schlachtfeld und merke, dass es verliere. Der Aggressor versuche deshalb, mit Angriffen auf Zivilisten und Infrastruktur militärische Siege vorzutäuschen, so Selenskyj. Die ukrainischen Streitkräfte erhielten jeden Tag alles Nötige zur Verteidigung des Landes.
An der Front im Einsatz: ein ukrainisches Panzerfahrzeug
„Natürlich haben wir nicht die technischen Möglichkeiten, 100 Prozent der russischen Raketen und Kampfdrohnen auszuschalten“, räumte Selenskyj ein. Er sei sich aber sicher, „dass wir dies mit Hilfe unserer Partner schrittweise erreichen werden“, meinte der Präsident.
Russische Grenzregion meldet Todesopfer
Der Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod hat der Ukraine erneut schweren Beschuss des Gebiets vorgeworfen. Dabei seien am Samstag in der Grenzstadt Schebekino zwei Menschen getötet und elf verletzt worden, teilte Wjatscheslaw Gladkow mit.
Nach seinen Angaben wurde bei dem Beschuss auch Energie-Infrastruktur getroffen. Rund 15.000 Menschen seien zeitweilig ohne Strom, Heizung und Wasser gewesen. Wer sehr nah an der Grenze zur Ukraine lebe, solle in der Nähe von Moskau untergebracht werden, sagte Gladkow.
Berlin hat kaum noch Wohnraum für Geflüchtete
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey sieht die Hauptstadt am Rande ihrer Möglichkeiten bei der Aufnahme von Geflüchteten. Gerade Deutschlands Stadtstaaten und besonders Berlin als Hauptanziehungspunkt hätten ihre Kapazitäten „mittlerweile nahezu ausgeschöpft“, sagte die Sozialdemokratin der „Bild am Sonntag“. So seien 340.000 Ukrainer in Berlin erstversorgt worden, 100.000 hätten ihren Wohnsitz inzwischen in der Hauptstadt. Giffey forderte: „Wir brauchen dringend weitere Immobilien des Bundes, um Menschen gut unterzubringen, finanzielle Unterstützung für die immensen Kosten und eine gerechte Verteilung im Bundesgebiet.“
Leben in Containern: Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau (Archiv)
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sagte der Zeitung, es brauche nicht nur Beschlüsse, sondern konkrete Maßnahmen. Die Möglichkeiten zur Unterbringung seien begrenzt. „Es werden bereits jetzt Hotelzimmer angemietet und Sammelunterkünfte, zum Beispiel in Turnhallen, vorbereitet“, so Landsberg.
Kretschmer gegen Totalverzicht auf russisches Gas
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich für eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach dem Krieg ausgesprochen. „Wir brauchen langfristige Verträge für Flüssiggaslieferungen aus den USA, Katar und anderen arabischen Ländern. Außerdem müssen wir endlich eigenes Erdgas in der Nordsee erschließen. Und wenn der Krieg vorbei ist, sollten wir auch wieder Gas aus Russland nutzen“, sagte Kretschmer der „Bild am Sonntag“.
Um den Krieg zu beenden, sollte Deutschland gemeinsam mit anderen Ländern auf eine Verhandlungslösung drängen, betonte der Christdemokrat. „Es braucht jetzt eine gemeinsame diplomatische Anstrengung von der EU, den USA, China, Indien und Japan. Dieser Krieg muss angehalten werden.“
Vermisst diplomatische Initiativen: Michael Kretschmer (CDU)
Diese Verhandlungen würden nicht automatisch dazu führen, dass die Ukraine Teile ihres Staatsgebietes abtreten müsse, meinte Kretschmer. „Es gibt keinen einzigen Grund, warum die Ukraine auch nur auf einen Quadratmeter ihres Territoriums verzichten sollte. Kriegsschäden müssen von Russland ausgeglichen, Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen werden. Mit dieser Haltung muss man in Friedensgespräche gehen.“
Friedenspreis für Ukrainer Serhij Zhadan
Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse wird an diesem Sonntag der ukrainische Autor und Musiker Serhij Zhadan in der Paulskirche mit den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Der 48-Jährige werde damit geehrt für „sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“, teilte der Stiftungsrat des Friedenspreises mit. Zhadan erkunde in seinen Werken, wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchten, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen.
Der im Gebiet Luhansk geborene Autor gehört zu den wichtigsten Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.
Ski-Weltverband hält an Russen-Ausschluss fest
Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus bleiben von allen Wettbewerben des Ski- und Snowboard-Weltverbandes FIS ausgeschlossen. Der FIS-Rat habe mit Rücksicht auf die Integrität der FIS-Wettbewerbe und die Sicherheit aller Teilnehmer beschlossen, „seine Politik fortzusetzen, russischen und weißrussischen Teams und Athleten die Teilnahme an allen FIS-Wettbewerben zu verweigern“, teilte der Weltverband mit. Die Entscheidung stehe im Einklang mit den Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
wa/AR (dpa, afp, rtr, sid)
Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.