Das Wichtigste in Kürze:
- Botschafter Oleksij Makejew fordert mehr Tempo von Deutschland
- Selenskyjs Stabschef schließt Verhandlungen mit Russland aus
- Empörung über Getreideblockade
Der neue ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, fordert von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Unterstützung seines Landes. „Wenn ich Deutschlands Agieren in diesem Krieg anschaue, denke ich manchmal: Da fährt ein deutscher Sportwagen mit Tempo 30 über die Autobahn“, sagt Makejew der Wochenzeitung „Bild am Sonntag“ (BamS). Anstatt schnell zu liefern, was im Kampf gegen die Russen helfen würde, werde wochenlang erklärt, warum sich die ukrainischen Forderungen nicht erfüllen ließen. „Ihr könntet so viel mehr, so viel schneller.“
Der Diplomat warnt zudem davor, russische Kriegsdienstverweigerer aufzunehmen. „Da fliehen junge Männer, die nichts bereuen, sich trotzdem vor dem Militärdienst drücken wollen und am Ende Russlandfahnen schwenkend in Autokorsos durch deutsche Städte fahren.“ Makejew sieht vor allem ein „Sicherheitsrisiko“ – für Deutschland, aber auch für die Geflüchteten aus der Ukraine. „Es wäre falsch von Deutschland, russische Deserteure aufzunehmen.“
Selenskyjs Stabschef: Keine Verhandlungen mit Russland
Solange Krieg herrscht, ist die Regierung in Kiew zu keinen weiteren Verhandlungen mit Russland bereit. Andrij Jermak, Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, schreibt auf Twitter: „Für Russland ist dies ein Krieg der Zerstörung, für uns ist dies ein Krieg des Überlebens. Solange sie uns als Staat und Nation beseitigen wollen, sind jegliche Vereinbarungen mit Russland zum Scheitern verurteilt.“
Die Gräuel von Butscha, einem zeitweilig von russischen Soldaten besetzten Vorort von Kiew, haben weltweit für Entsetzen gesorgt
Auch Botschafter Makejew sieht im BamS-Interview keine Gesprächsgrundlage. „Unsere Verhandlungen der vergangenen acht Jahre haben dazu geführt, dass nicht mehr sieben, sondern 20 Prozent unseres Territoriums unter russischer Besatzung stehen.“ Seit Beginn der Verhandlungen seien tausende Ukrainer von Russen getötet, vergewaltigt und gefoltert worden. „Wie viele Butschas müssen wir der Welt noch zeigen, damit allen klar wird, dass man mit den Russen nicht reden kann?“
Empörung über Getreideblockade
Wegen der neuen Blockade von Getreideexporten durch Moskau hat der ukrainische Präsident einen Ausschluss Russlands aus der G20 gefordert. „Warum kann eine Handvoll Personen irgendwo im Kreml entscheiden, ob es Essen auf den Tischen der Menschen in Ägypten oder in Bangladesch geben wird?“, fragte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Nötig sei eine starke Reaktion der Vereinten Nationen, aber auch der Gruppe wichtiger Industrie- und Schwellenländer (G20). „Russland gehört nicht in die G20“, sagte Selenskyj.
Ukrainisches Getreide wird im Hafen von Reni an der Donau umgeladen (Archivbild)
Derweil hat auch US-Präsident Joe Biden den von Russland erklärten Rückzug aus dem Getreideabkommen verurteilt. Der Schritt sei empörend, sagte Biden zu Journalisten. Außenminister Antony Blinken kritisierte, Russland nutze „Nahrungsmittel erneut als Waffe in dem Krieg, den es begonnen hat“. Er rief die russische Regierung dazu auf, wieder die Vereinbarung zur sicheren Passage ukrainischer Getreidetransporte einzuhalten.
rb/fw (AFP, AP, dpa, epd, KNA, Reuters)
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