Das Wichtigste in Kürze:
- Ukrainische Energieversorger erwarten längere Stromausfälle
- USA stellen weitere Militärhilfe für Ukraine bereit
- Russland gibt Abschluss seiner Teilmobilmachung bekannt
- Selenskyj äußert Zweifel an Ende russischer Mobilisierung
- EU: 300 Milliarden Euro aus Devisenreserven der russischen Zentralbank eingefroren
Fast vier Millionen Menschen in der Ukraine sind wegen der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur von Einschränkungen bei der Stromversorgung betroffen. In vielen Städten und Regionen werde der Strom zeitweise abgestellt, „um die Lage zu stabilisieren“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Betroffen seien unter anderem die Hauptstadt Kiew und Umgebung sowie die Provinzen Schytomyr, Poltawa, Tscherkassy, Kirowohrad, Riwne, Charkiw, Tschernihiw und Sumy.
Zuvor hatte der Stromversorger DTEK mitgeteilt, das staatliche Energieunternehmen Ukrenergo werde wegen erheblicher Schäden durch die jüngsten russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Region um Kiew in den kommenden Tagen „beispiellose“ Strombeschränkungen vornehmen müssen, um einen vollständigen Stromausfall zu verhindern. Das ukrainische Energiesystem habe „neuen Schaden erlitten“, es gebe ein „Stromdefizit in Höhe von 30 Prozent des Kiewer Verbrauchs“. Es könne „auf unbestimmte Zeit“ zu Stromausfällen kommen, zitierte der Stromversorger den Gouverneur der Region Kiew, Oleksij Kuleba.
Odessa am Schwarzen Meer – ohne Strom in fast völliger Dunkelheit versunken
In Kiew war bereits in den vergangenen Tagen in wechselnden Vierteln für mehrere Stunden der Strom abgestellt worden. Damit soll versucht werden, die Netze vor Überlastung zu schützen. Die verstärkten Raketen- und Drohnenangriffe in den letzten Wochen sollen ein Drittel der Energieinfrastruktur in der Ukraine beschädigt haben.
USA stellen weitere Militärhilfe für Ukraine bereit
Zur Unterstützung der Ukraine im russischen Angriffskrieg stellen die USA dem Land weitere Militärhilfen im Wert von 275 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Es geht um zusätzliche Waffen, Munition und Ausrüstung aus US-Beständen sowie vier Antennen für Satellitenkommunikation, wie das Pentagon in Washington mitteilte. Den Angaben zufolge erhöht sich die Militärhilfe für die Ukraine aus den USA damit auf 18,5 Milliarden US-Dollar seit Beginn der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden im Januar 2021.
Hilfsgüterausgabe an Bedürftige in Bachmut/Region Donezk
US-Außenminister Antony Blinken teilte mit, man arbeite daran, die Luftverteidigungsfähigkeit der Ukraine zu verbessern. Die beiden bodengestützten Luftverteidigungssysteme des Typs Nasams, zu deren Lieferung sich die Vereinigten Staaten verpflichtet hätten, würden nächsten Monat in die Ukraine gebracht.
Russland gibt Abschluss seiner Teilmobilmachung bekannt
Russland will 300.000 Reservisten für den Kampf mobilisiert haben. Die Teilmobilmachung ist nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu abgeschlossen. Rund 82.000 der Männer seien bereits im Einsatz, die übrigen würden derzeit in Russland auf den Kampf vorbereitet. Neue Maßnahmen der Mobilmachung seien nicht geplant, von nun an werde mit Freiwilligen auf Vertragsbasis gearbeitet, sagte Schoigu bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin in der Nähe von Moskau. Schoigu fügte jedoch hinzu, dass Russland weiterhin Freiwillige und Soldaten auf Vertragsbasis rekrutiere.
Teilmobilmachung beendet, lautet die Ansage nach dem Treffen Putins (r.) mit Schoigu bei Moskau
Sowohl der Kremlchef als auch sein Minister räumten erneut ein, dass die Teilmobilmachung nicht reibungslos verlaufen sei. Schoigu versicherte jedoch, alle Probleme bezüglich der Ausrüstung seien nun „gelöst“.
Hunderttausende Russen haben in den vergangenen Wochen aus Angst, in den Kriegsdienst eingezogen zu werden, das Land verlassen. In Russland sind viele Arbeitsplätze verwaist, weil die Menschen entweder im Krieg dienen oder geflohen sind. Dass Putin nun das Ende der Mobilmachung verkündete, wird deshalb auch als Versuch gesehen, Männer wieder zurück ins Land zu locken.
Selenskyj äußert Zweifel an Ende russischer Mobilisierung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet weitere Teilmobilmachungen von Reservisten in Russland für den Krieg gegen sein Land. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagte Selenskyj in seiner am Abend verbreiteten täglichen Videobotschaft. Der ukrainische Widerstand sei so stark, dass Russland gezwungen sein werde, neue Mobilmachungen zu befehlen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezweifelt, dass die russische Teilmobilmachung beendet ist
Die russischen Truppen seien so schlecht ausgebildet und ausgerüstet, dass das Land bald noch mehr Menschen mobilisieren müsse, meinte der Präsident mit Blick auf die Verluste unter den russischen Soldaten.
Ukraine meldet militärischen Erfolg in Luhansk
Eine strategisch wichtige Straße in der Region Luhansk soll nahezu unter Kontrolle der ukrainischen Armee stehen. Das berichtet der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, auf Facebook. Dabei handelt es sich um eine Autobahnverbindung zwischen den Städten Kreminna und Swatowe. Entlang dieser Städte baut Russland nach der erfolgreichen Offensive der ukrainischen Streitkräfte aktuell seine neue Verteidigungslinie auf. Sollten die russischen Streitkräfte die Straße tatsächlich nicht mehr kontrollieren, wäre die Versorgungslage deutlich erschwert. Truppen und Material müssten dann über weite Umwege transportiert werden.
Ukrainische Soldaten an der Frontlinie in der Nähe von Saporischschja, ausgerüstet mit westlichem Militärgerät
EU: 300 Milliarden Euro aus Devisenreserven der russischen Zentralbank eingefroren
Die Europäische Union hat nach Angaben von Justizkommissar Didier Reynders im Zuge der Sanktionspakete gegen Russland mehr als 17 Milliarden Euro Vermögenswerte von russischen Bürgern und Einrichtungen eingefroren. Es handele sich um Vermögen von 90 Personen in sieben Mitgliedstaaten, davon 2,2 Milliarden Euro in Deutschland, sagte der Belgier den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Als Teil der westlichen Sanktionen seien zudem rund 300 Milliarden Euro aus Devisenreserven der russischen Zentralbank eingefroren worden.
Vor allem ukrainische Politiker fordern immer wieder, dass die blockierten Gelder für den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg genutzt werden. Die EU hat seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine vor acht Monaten inzwischen acht Sanktionspakete beschlossen.
qu/fw (dpa, rtr, afp, ap)
Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.