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Ukraine aktuell: „Der Feind macht uns keine Geschenke“

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj reagiert zurückhaltend auf Russen-Abzug
  • Ukraine lehnt russisches Gesprächsangebot ab
  • Start der EU-Ausbildungsmission rückt näher
  • Putin reist nicht zum G20-Gipfel nach Indonesien

 

Nach der Ankündigung Russlands, sich aus der südukrainischen Großstadt Cherson und vom gesamten rechten Dnipro-Ufer zurückzuziehen, herrsche zwar „viel Freude“, sagte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in einer neuen Videoansprache. „Aber unsere Emotionen müssen zurückgehalten werden – gerade während des Krieges.“

Selenskyj verwies darauf, dass der Rückzug der russischen Besatzer in erster Linie den Erfolgen der ukrainischen Streitkräfte zu verdanken sei. „Der Feind macht uns keine Geschenke, macht keine Gesten des guten Willens.“ Und die Ukraine werde weiter kämpfen.

„Ich werde den Feind definitiv nicht mit allen Details unserer Operationen füttern“, führte Selenskyj weiter aus. „Ob im Süden, ob im Osten oder sonst wo – unsere Ergebnisse wird jeder sehen, selbstverständlich.“ Das ukrainische Militär werde sich weiter „sehr vorsichtig, ohne Emotionen, ohne unnötiges Risiko“ bewegen. Und dies mit möglichst wenigen Verlusten. „So werden wir die Befreiung von Cherson, Kachowka, Donezk und unseren anderen Städten sichern.“

Ukraine Präsident Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldet sich täglich per Video zu Wort

Selenskyj warnte die Entscheider in Moskau davor, den Befehl zum Sprengen des Kachowka-Staudamms oberhalb von Cherson oder zur Beschädigung des Atomkraftwerk Saporischschja zu geben. „Dies würde bedeuten, dass sie der gesamten Welt den Krieg erklären“, betonte der Präsident.

Russland attackiert Kriwyj Rih in Südukraine

Russische Einheiten haben die Stadt Kriwyj Rih angegriffen. Nach Darstellung der ukrainischen Militärverwaltung kamen dabei zahlreiche Kassettenbomben mit Streumunition aus russischen Raketenwerfern zum Einsatz. Die Bevölkerung wurde zu besonderer Vorsicht aufgerufen, um nicht die kleinen, zylinderförmigen Sprengsätze auszulösen.

Weiter südlich rückten ukrainische Soldaten auf die Stadt Cherson vor. Ukrainische Medien berichteten von der „Befreiung“ der Ortschaften Prawdino und Kalinowskoje nach schweren Kämpfen der vergangenen Tage. Dem Einmarsch der Ukrainer sei aber der Abzug der Russen aus den beiden Orten vorausgegangen, berichtete die „Ukrajinska Prawda“.

Von russischer Seite wurden Vorbereitungen der ukrainischen Streitkräfte auf ein Vorrücken in Richtung des Atomkraftwerks Saporischschja erkannt. Dazu seien rund um die gleichnamige Stadt rund 7000 ukrainische Soldaten zusammengezogen worden, zitierte die Agentur Tass Wladimir Rogow, einen Vertreter der Besatzungsverwaltung.

Ukraine-Krieg - AKW Saporischschja

Das Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine – fotografiert aus großer Entfernung

Das AKW Saporischschja ist die größte Atomanlage Europas. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bemüht sich seit Monaten, um das Werk eine Schutzzone ohne Kämpfe einzurichten.

Ukraine lehnt russisches Gesprächsangebot ab

Die ukrainische Führung hat ein weiteres Gesprächsangebot Moskaus als „neue Nebelkerze“ zurückgewiesen. „Russische Beamte beginnen, Gesprächsangebote immer dann zu unterbreiten, wenn die russischen Truppen Niederlagen auf dem Schlachtfeld erleiden“, schrieb Außenamtssprecher Oleh Nikolenko auf Facebook. Mit dem neuen Dialogangebot spiele Russland lediglich auf Zeit, um seine Truppen neu zu sortieren und zu verstärken, und um dann „neue Wellen der Aggression“ einzuleiten.

In Moskau hatte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch die Bereitschaft Russlands zu Gesprächen „auf Grundlage der aktuellen Realitäten“ verkündet. Damit war der aktuelle Stand an den Fronten gemeint. „Wir sind weiterhin zu Gesprächen bereit, wir haben sie nie verweigert“, sagte sie. Die Führung in Kiew hat bereits mehrere Verhandlungsangebote aus Moskau abgelehnt. Sie fordert als Vorbedingung den kompletten Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine, auch von der Halbinsel Krim.

Infografik Karte Ukraine zurückeroberte Gebiete 6.11.2022 DE

Start der EU-Ausbildungsmission rückt näher

Die 27 Staaten der Europäischen Union wollen Anfang nächster Woche den Start der Ausbildungsmission für ukrainische Streitkräfte beschließen. Der Ausschuss der ständigen Vertreter der EU-Länder in Brüssel billigte einstimmig entsprechende Planungen, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Der formelle Beschluss für den Start des Einsatzes soll demnach bei einem für Montag angesetzten Außenministertreffen in Brüssel gefasst werden. Die Pläne sehen vor, dass zunächst etwa 15.000 ukrainische Soldaten in EU-Ländern ausgebildet werden.

Deutschland hat nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums angeboten, eine Gefechtsausbildung für Kompanien sowie Taktikübungen für einen Brigadestab und die untergeordneten Bataillonsstäbe zu organisieren. Zudem soll es ein Training für Trainer, Sanitätsausbildungen und Waffensystemschulungen in enger Kooperation mit der Industrie geben. Insgesamt könnte in Deutschland in den kommenden Monaten eine Brigade mit bis zu 5000 ukrainischen Soldatinnen und Soldaten trainiert werden.x

Putin reist nicht zum G20-Gipfel nach Indonesien

Der russische Präsident Wladimir Putin wird nicht am G20-Gipfel auf Bali teilnehmen, bei dem auch der Ukraine-Krieg zentrales Thema sein soll. Stattdessen reise Außenminister Sergej Lawrow zu dem Treffen der Industrienationen, teilte die indonesische Regierung mit. Putin hatte seine persönliche Teilnahme an dem Gipfel Mitte dieses Monats bis zuletzt offen gelassen.

Russland Präsident Wladimir Putin Fahne

Der russische Präsident Wladimir Putin schickt seinen Außenminister zum G20-Gipfel

Indonesiens Präsident Joko Widodo will auf dem Gipfel eine Friedensinitiative für die Ukraine anstoßen. Sein Land werde alle Teilnehmer dazu einladen, „sich zusammenzusetzen und sich in einen konstruktiven Dialog zu begeben“, hatte er Ende Oktober erklärt. 

wa/mak (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.