Bulgariens Staatschef Rumen Radew hat die Stichwahl um die Präsidentschaft laut mehreren Prognosen überzeugend gewonnen. Er kann mit bis zu gut 65 Prozent der Stimmen rechnen, während sein Herausforderer Anastas Gerdschikow am Sonntag etwa 33 Prozent der Wähler überzeugen konnte.
Niederlage eingeräumt
Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Erhebungen bei weniger als 40 Prozent und damit noch niedriger als in der ersten Wahlrunde vor einer Woche. Dies hat aber keine Auswirkung auf die Gültigkeit der Stichwahl. Mit amtlichen Endergebnissen war in der Wahlnacht nicht zu rechnen. Gerdschikow gestand seine Niederlage bereits ein.
Radew, dessen erste fünfjährige Amtszeit im Januar endet, wurde von den aus den früheren Kommunisten hervorgegangenen Sozialisten sowie Protestparteien unterstützt, Gerdschikow von der bürgerlichen GERB des früheren Regierungschefs Boiko Borissow und der Partei der türkischen Minderheit DPS.
Radew sieht Bulgarien auf einem guten Weg
Die Bulgaren hätten „für den Wandel, für einen Bruch mit der Korruption, mit Plünderung und Rechtlosigkeit, für eine Vertreibung der Mafia von der Macht“ gestimmt, sagte Radew nach seiner Wiederwahl. Er warnte, es dürfe keine soziale und wirtschaftliche Krise in diesem Winter zugelassen werden.
Das südöstliche EU-Land hat immense innen- und außenpolitische Baustellen: Corona-Management, Korruptionsbekämpfung sowie den EU-Wiederaufbauplan. Auch Bulgariens Blockade von EU-Beitrittsgesprächen mit dem benachbarten Nordmazedonien bleibt ein Thema.
Radews Wiederwahl ist auch eine gute Nachricht für die Anti-Korruptionspartei „Wir setzen den Wandel fort“, die vor einer Woche die Parlamentswahl überraschend gewonnen hatte. „Von der Wahl des Präsidenten hängt die gesamte Entwicklung Bulgariens ab“, sagte deren Mitgründer Kiril Petkow am Sonntag bei der Stimmabgabe.
haz/se (dpa, afp, rtr)